Kolumnen
01/12/2019

Hat hier jemand Feuer?

Über den Zusammenhang zwischen Lieblingsfilmen, Rauchwaren und anderen Wiener Klassikern

Wenn demnächst die dringend benötigten weiteren Fünf-Sterne-Hotels diese Stadt erfreuen, dann wird es, heißt es, noch ein paar Rooftop-Bars mehr geben.

Soll sein. Gegen die Klassiker kommt eh keiner an. Und so ist es kein Wunder, dass der Filmemacher Wim Wenders, zu Besuch in Wien anlässlich der ihm gewidmeten Retrospektive im Filmarchiv, nun die Loos Bar aufsuchte.

Auch abgesehen von der von Fans liebevoll the Loos genannten Bar hat der Filmemacher ein Faible für Wien: Wenders drehte hier seinen ersten Film. In der Verfilmung von Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ streunt der Hauptdarsteller, der wegen eines Fouls disqualifizierte Torwart Josef, durch die Stadt.

Dass in den Kinos, an denen er beim Streunen vorbeikommt, Howard-Hawks-Filme laufen, bringt uns zum Bundespräsidenten.

Der durfte im Rahmen einer neuen Filmreihe im Votivkino nun einen Film auswählen. Konsequenterweise hat er sich für seinen Lieblingsfilm, John Houstons „The Maltese Falcon“, entschieden. Humphrey Bogart spielt in dem Film-Noir-Klassiker den Detektive Sam Spade. Im Anschluss an die Vorstellung am 17. Jänner wird Van der Bellen erzählen, was ihm an dem Film gefällt. Möglicherweise ist es das halb spöttische, halb leidende Bogartsche Stirnrunzeln, das auch dem Bundespräsidenten eigen ist.

Und nein, natürlich reden wir jetzt nicht von Zigaretten. Wollte man dieses ungesunde Laster, dem Bogart und Bundespräsident anheimgefallen sind, bewerben, eignete sich ein ganz anderer Film – und hier kommen wir wieder zu Howard Hawks: In dessen Hemingway-Verfilmung „To Have and Have Not“ gibt die ganz objektiv schönste Frau aller Zeiten, die damals 19-jährige Lauren Bacall, mit dem Satz: „Anybody got a match?“ ihr Filmdebüt.

Nicht nur Bogart war angesichts dieses Begehrs nach Feuer sofort hin und weg. Und es ist wahrscheinlich, dass in der Loos und in vielen anderen Bars und Gastwirtschaften Wiens einzig aus Liebe zum Kino weitergepofelt wird, als ob nichts wäre.