Kolumnen

Grünzeug-nis ablegen

Wem der Garten ans Herz wächst, der wächst mit der Aufgabe - und den Pflanzen.

von Birgit Braunrath

02/28/2021, 06:00 AM

Der schönste Nagellack ist die frische Frühlingserde unter den Fingernägeln. Der schönste Ohrwurm ist das Summen der Insekten in einer Blumenwiese. Das schönste Gewächs ist jenes, das man selbst zum Blühen gebracht hat. Wer jetzt aussät, eingräbt, umgräbt, buddelt sich frei. Und in wenigen Wochen legt der Garten dann Grünzeug-nis ab über die Arbeit des Gärtners.

Man nennt es irreführend „Gartenarbeit“, meint aber in Wahrheit ein Privileg, das nur jenen zuteilwird, denen entsprechend Raum und Zeit zur Verfügung stehen. Man nennt es Gartenarbeit, meint aber das vielleicht einzige Suchtverhalten, das die Gesundheit nachweislich fördert, weil es Stress reduziert und das Immunsystem stärkt. Man nennt es Gartenarbeit, meint aber die direkte Verbindung zwischen Erde und Himmel, weil man dabei die Bäume in den Himmel wachsen sieht, das Gras wachsen hört und zwischen Dornen himmlische Düfte riecht. Zwei grüne Daumen sind das goldene Händchen des Gärtners.

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