Kolumnen
07/25/2022

Für Fortgeschrittene

Zum Tod von Lotte Ingrisch, die mit Elfen, Geistern und Einhörnern lebte.

von Guido Tartarotti

Alle paar Wochen, manchmal auch Monate, manchmal auch Jahre, kam eine e-Mail von Lotte Ingrisch. Da standen dann Dinge drin wie „bevor ich endlich sterbe, bestätige ich Ihnen glatt, dass es nur Materie gibt und sonst überhaupt nichts“. Oder: „Ob Sie mit mir in den Krieg ziehen würden? Wir haben zwar nicht die gleichen Gespenster, aber denselben Humor.“ Oder: „Ich rackere mich schon seit so vielen Jahrzehnten damit ab, die Welt zu verändern.“

Lotte Ingrisch lebte in einer Welt, die die meisten anderen Menschen nicht sehen konnten, aber die einem Respekt und zugleich ein Lächeln abnötigte. Eine Welt mit Geistern und Elfen und Einhörnern. Sie schrieb Bücher wie „Sterben für Anfänger“ und ließ sich von Verstorbenen Texte diktieren.

Möge die Welt, in der sie jetzt wohnt, so aussehen, wie sie sie sich vorgestellt hatte. Ihr schönster Satz lautete: „Ich hab keine Angst.“

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