Kolumnen
03/20/2020

Fad, fad, fad

Man darf in Frage stellen, ob Kunst und Kultur nur dazu da sind, auszuhelfen, wenn jemandem fad ist.

von Barbara Mader

In außergewöhnlichen Zeiten darf man außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen. Und so verweist das Redaktionskomitee der Wiener Ansichten nun erstmals auf eine Debatte, die drüben auf Facebook stattfindet. (Ok, ich geb’s zu, ich hab’ sie angezettelt.)

Es geht darum, dass viele jetzt schreiben, ihnen sei fad und andere wiederum raten daher zum Bücherlesen.

Das ist gut und recht. Aber.

Einmal abgesehen davon, dass vielen anderen nicht fad ist, weil sie entweder im Homeoffice mehr als genug zu tun haben oder Daheimbleiben beruflich gar nicht möglich ist und andere wiederum zwangsweise pausieren und deshalb große Existenzsorgen haben: Man darf doch in Frage stellen, ob Kunst und Kultur nur dazu da sind, auszuhelfen, wenn jemandem fad ist. Motto: Erst wenn die letzte Sockenlade aufgeräumt ist, werdet ihr merken, dass man auch ein Buch lesen könnte?

Aber gut, werden Sie jetzt möglicherweise sagen, besser spät, als gar nicht. Stimmt. Und dem Buchhändler, bei dem Sie die Bücher jetzt hoffentlich bestellen, wird es auch wurscht sein, ob Sie die nun gekauften Bücher auch dann noch lesen, wenn Ihnen nicht mehr fad ist.

Ich wende trotzdem ein: Literatur, ja, Kunst im Allgemeinen hat es nicht verdient, als bloße Bespaßung gesehen zu werden, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Der Musiker Klemens Lendl vom Wienerlied-Duo Die Strottern brachte das unlängst im Morgenjournal (an dieser Stelle, weil sich ja jetzt alle beim ORF bedanken: Danke insbesondere Ö1) auf den Punkt: „Für mich gehört Kultur zu meinem täglich Brot und das Lebensmittel muss auch dann bereit gestellt werden, wenn die herkömmlichen Wege nicht funktionieren.“ Die Strottern gehören nun zu jenen, die jetzt, wie die meisten Künstler, zwangsweise Homeoffice machen. Von dort aus singen sie „jeden Tag ein Lied in die Welt.“ Nachzuhören auf Facebook und Youtube.

Wunderschön ist das und stärkt die Sehnsucht nach dem, was uns so fehlt. Theater, Kino, Konzert, Museum.

Kunst ist ein Lebensmittel.

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