Kolumnen
05/21/2021

Erinnerungen an die Schüssel-Jahre

Auch im angeblich unfreundlichen Wien wird man aufgefangen, wenn man fällt

von Barbara Mader

Speed kills. Nein, nicht schon wieder Autofahrer-Anpöbelung. (Es sind übrigens nicht nur die viel zitierten jungen Männer, die ihre Geschwindigkeit nicht im Griff haben. Durch noble Wiener Vorstädte rasen morgens auch noble Eltern, um den noblen Nachwuchs pünktlich in der noblen Schule abzuliefern. Sie können nix dafür. Die SUVs sind heutzutage so leise, man merkt gar nicht, wie flott man über Zebrastreifen fährt).

Speed kills also. (Sie erinnern sich an die Schüssel-Jahre? Ich sag nur Pensionsreform. Auch parteiintern war die intendierte Geschwindigkeit nicht unumstritten. Die Mahnung „Speed kills“ wurde dann ständig und ständig falsch verwendet. Sinnlose Satzgebilde wie „Speed Kills darf nicht Methode sein“ entstanden. Ich habe das damals schon vertrottelt gefunden, leider hatte das Redaktionskomitee der Wiener Ansichten noch nicht getagt. Wer weiß, wie wir den Lauf der Geschichte beeinflusst hätten.)

Speed kills also. Nicht ganz, Gottseidank. Tot sind wir nicht, aber ein bisserl lädiert.

Was ist passiert? Ich bin die Rolltreppe (fast) runtergefallen. Eine Frau hat mich aufgehalten, gelegen bin trotzdem. Die schicken Fetzen, die ich endlich ausführen wollte, auch.

Wer war schuld? Nein, nicht, was Sie glauben. Mit Alkohol hatte das nichts zu tun. Es waren Regen und Geschwindigkeit. Speed. Die Frau, der ich bei der U-Bahnstation Herrengasse in den Rücken gefallen bin, hat mich wieder aufgesetzt, besorgt auf mich eingeredet und hätte ich sie drum gebeten, hätte sie mich bestimmt heimgebracht.

Und was hab ich gemacht? Ich habe mich geniert. Hab irgendwas von Verzeihung und Danke, geht schon gemurmelt und bin rasch weiter gehumpelt, aus dem Blickfeld aller, die das peinliche Missgeschick mitverfolgt haben. Zum Glück hatte ich eine Zeitung dabei. Eine gedruckte. Großformatige. Hinter der konnte ich mich verstecken. Nie und nimmer hätte das mein Handy geschafft.

Gibt es eigentlich noch Leute, die ernsthaft behaupten, Online könnte Print ersetzen?

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