Kolumnen
08/28/2019

Die österreichische Seele 2.0

In einer Welt, in der man sich daran aufrichtet, andere niederzumachen, klingt das Wort Wertschätzung wie ein Gruß aus einer untergegangenen Zeit.

von Birgit Braunrath

35 Jahre nach Erscheinen von Erwin Ringels Klassiker „Die österreichische Seele“ veröffentlichte der Psychiater Reinhard Haller ein Buch, das wie Die österreichische Seele 2.0 anmutet. Es trägt den Titel: „Das Wunder der Wertschätzung. Wie wir andere stark machen und dabei selbst stärker werden“. – In einer Welt, in der man sich daran aufrichtet, andere niederzumachen, klingt das wie ein Gruß aus einer untergegangenen Zeit.

Und doch sieht Haller unsere Gesellschaft, in der die Großwetterlage meist auf Shitstorm steht, trotz einer „Wertschätzungsblockade“, nicht nur pessimistisch. Im KURIER-Interview regt er an, „zu vermitteln, dass Wertschätzen und Loben nichts Peinliches ist und man es nur kann, wenn man selbst einen hohen Wert von sich selbst hat“.

Bedeutet das, all die Zyniker, Hassprediger und Wutrednerinnen, die andere öffentlich runtermachen, müssten bloß erkennen, dass sie selbst etwas wert sind? Da hat die österreichische Seele jetzt aber einiges zu tun.