Kolumnen
09/06/2020

Die neue Faustregel

Der Bundespräsident wünscht den Kindern „einen ganz normalen Schulbeginn“. Das ist alles andere als normal.

von Birgit Braunrath

2020 ist das neue Normal: Zwei Ehepaare, so um die 80, treffen einander zu Mittag in einem Lokal. Sie begrüßen einander per Faustcheck. Das ist nicht normal, das ist absolut 2020. Niemand der Anwesenden ist verwundert. Früher nannte man diesen Jugend- und Sportgruß abfällig Ghettofaust. Inzwischen ist er weit verbreitet, denn es gilt die Faustregel: „Hände weg von Händeschüttlern!“

Pädagogen beschwören zu Schulbeginn den „Mut zur Lücke“. Das ist nicht normal, das ist total 2020. Denn sie meinen nicht den zur Mut zur Zahnlücke, wenn das Kinderlächeln schief sitzt. Und auch nicht den Mut zur Parklücke, der Eltern animieren soll, ihr Kind per Auto zum bereits mehrspurig zugeparkten Schultor zu führen. Sie meinen den Mut zur Wissenslücke: Kein Kind soll 2020 Lückenbüßer sein.

Der Bundespräsident wünscht den Kindern „einen ganz normalen Schulbeginn, und dass es normal weitergeht“. Das ist alles andere als normal, das ist 2020. Aber je selbstverständlicher der Umgang mit 2020, desto normaler wird es.

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