Die ganze Welt in Gigritzpatschen

Entgegen neuester Studien: Dass die Wiener unfreundlich sind, ist eine Behauptung, die auf einem Missverständnis beruht.
Barbara Beer

Barbara Beer

Der Autor Thomas Hoffmann ist ein wandelndes Lexikon. Er weiß alles über ausgestopfte Großkatzen, vergessene Mehlspeisrezepte und sämtliche Wiener Straßenbahnen. Weil er das auch noch unterhaltsam vermitteln kann, hat man ihm unlängst den niederösterreichischen Kulturpreis für Erwachsenenbildung verliehen. Bei der Preisverleihung wurde er gefragt, was er mit seiner Arbeit vermitteln wolle. Seine Antwort: „Das Gute ist nah.“ Sie finden, das klingt banal? Manchmal muss man sich trauen, auch vermeintlich einfache Einsichten auszusprechen. Thomas Hoffmann meint, wir sind von einer wunderbaren Welt umgeben, man muss sie nur sehen. Zum Beispiel bei uns in Gigritzpatschen. Ist das Gegenteil von weltläufig. Aber es gibt auch hier viel zu erleben.

Immer ein Abenteuer ist etwa der Besuch im Fachgeschäft der kettenrauchenden, grantigen Papierhändlerin. (Sie erinnert ein bisschen an die Schwestern von Marge Simpson, wer sie kennt.) Auch der Schneider ums Eck tschickt übrigens, als gäb’s kein Morgen. Ändert nichts daran, dass er ein Meister seines Fachs ist.

Samstags ist auch immer was los, da kommt der Obst -und Gemüsestandler. Wenn ich spät komm’ und lieb schau’, krieg ich zu meinen Einkäufen einen Käsetoast dazu. Denn die Gemüsefachleute, die den ganzen Tag im Freien stehen, haben immer einen Toaster dabei. Rein privat natürlich, aber sie teilen gerne. Und dann sind da die Herrschaften von der MA48, aufmerksame Leserinnen und Leser kennen sie schon. Immer gut drauf, auch wenn die Hacken nicht immer super ist. Das gilt auch für den geschätzten Herrn Walter von der Post, auch ihn kennen Sie ja bereits, ein super Typ.

Sie alle machen das Leben in Gigritzpatschen schöner. Deshalb ist den neuesten Umfragen, laut derer Wien (wo auch unser Gigritzpatschen liegt) die unfreundlichste Stadt der Welt sein soll, nicht zu trauen. Ich hab schon einmal gesagt, dass das ein Missverständnis ist. Die Wiener sind nicht unfreundlich, sie sind schüchtern. Bestimmt auch die grantige Papierhändlerin.

Kommentare