Kolumnen
28.01.2019

Die Einmischmaschinerie

Wo sind sie, die starken Männer? Die Moralapostel? Die Hilfs-Sheriffs? Wer greift ein, wenn jemand bedroht wird?

Ist das ein Widerspruch? – Einerseits hat man den Eindruck, dass „Einmischen“ derzeit die liebste Freizeitbeschäftigung, die wesentlichste Stoffwechselfunktion des Österreichers ist (Frühstück? – Ja, gleich! Erst wird gepostet, dann getoastet). Die Einmischmaschinerie Internet läuft wie geschmiert.

Andererseits herrscht aber im echten Leben das Motto: „Nur ned einmischen!“ Im Rahmen einer Studie stellten Schauspielerinnen in Wiener Parks immer wieder denselben Konflikt nach, bei dem eine Frau bedroht wird. Von 158 Zeugen griffen nur zwei ein, interessanterweise beides junge Frauen. Wo waren die anderen 156? Wo die starken Männer? Die Alleswisser? Die Moralapostel? Die Hilfs-Sheriffs? Alle, die im Netz so mutig das Wort an sich reißen, um andere in die Schranken zu weisen? Schauen die weg?

Nein, es ist kein Widerspruch. Denn im Netz verstecken sich viele hinter einem Scheinprofil. In der direkten Begegnung muss man sich zeigen. Müsste man echte Zivilcourage zeigen. Und das erfordert viel mehr Mut, als aus der Deckung heraus verbal die Messer zu wetzen.