© Birgit Braunrath

BEAGLE DARIA
09/30/2019

Der Kuschelkampf

Der Beziehungspolizeihund wacht darüber, ob wir uns versöhnlich an den Händen halten

von Birgit Braunrath

Wüssten wir es nicht besser, würden wir glauben, unser Beagle ist ein Hütehund. Denn Daria ist ständig damit beschäftigt, ihre Meute zusammenzuhalten. Gehen wir etwa mit Freunden wandern und einer versucht, sich unauffällig in die Büsche zu schlagen, fiept Daria sofort Alarm und bleibt stehen, um detailgenau anzuzeigen, wo wir das fehlende Herdentier verloren haben – unauffällig geht da gar nichts. Keiner entfernt sich von der Gruppe!

Außer natürlich Daria selbst. Die darf das jederzeit, weil sie sich niemals Sorgen um den eigenen Verbleib machen muss. Sie ist ja immer ganz bei sich – auch wenn wir Menschen das ab und zu anzweifeln. Etwa wenn Daria grußlos abhaut und einer Rehfährte folgt, weil die spannender ist als unsere Wahlkampfdiskussionen (diese musste sie ohnehin so oft im TV mit anhören, dass sie die Parteiprogramme auswendig kennt).

Außerdem ist der Beagle ja nicht wirklich ein „Hütehund“, sondern – rein kynologisch – ein „Laufhund“. Im Fall von Daria eben ein Davonlaufhund.

„Vertragt euch! Aber nicht zu gut“

Das bedeutet aber keineswegs, dass der Davonlaufhund Davonlaufmenschen in seinem Wanderrudel dulden würde.

Vergangenen Sonntag war Daria besonders wachsam, fast eine Art Beziehungspolizeihund: Nachdem ihr Herrl und ich vor dem Weggehen ungewohnt lautstark nicht ganz einer Meinung waren und Darias Zurechtfiepungen nichts genützt hatten, ging sie einen Großteil unserer Waldrunde exakt zwischen uns und wachte streng darüber, dass wir uns auch versöhnlich an den Händen hielten.

Allerdings war Schluss mit ihren Vermittlungs- und Verkupplungsbemühungen, als wir uns gegen Abend miteinander auf die Couch legten. Daria war sofort zur Stelle, drängte mich zur Seite und signalisierte ihrem Herrn Lebensmenschen per Pfotenhieb, dass sie gestreichelt, gekuschelt und mit ungeteilter Aufmerksamkeit bedacht werden wolle. Und zwar umgehend.

„Wie jetzt?“, fragte ich sie, „ich dachte, du willst, dass wir beide uns wieder vertragen?“ Und Darias Blick sagte: „Ja schon, aber nicht zu gut. Ich bin auch noch da, und mich nennt er ‚Schatzi‘. Also mach’ du gefälligst Platz!“ Kopfschüttelnd stand ich auf und ging weg. Aber das war ihr dann auch nicht recht.