Kolumnen
10.09.2018

Der ehrliche Fuffziger

"Tagebuch": Andreas Herzog wird 50. Ein Rückblick auf ein alles andere als konfliktfreies halbes Jahrhundert.

Irgendwann um die Jahrtausendwende hatte mir Andreas Herzog einmal gestanden, dass er eigentlich gar nicht Trainer werden wolle in Anbetracht der Ungerechtigkeiten in diesem Job. Und dass er kein Sonnenliebhaber sei. Jetzt ist der österreichische Rekordinternationale Teamchef von Israel. Das Abschlusstraining für das Länderspiel gegen Nordirland hält Herzog an seinem heutigen 50. Geburtstag wenigstens im kühleren Belfast ab.

Herzog galt mehrmals als Teamchef-Kandidat für die ÖFB-Nationalmannschaft, die heute mit Franco Foda Richtung Bosnien abhebt. Auch bei Rapid nahmen sie Herzog nicht, worauf ihn seine Freunde (und Herzog hat sehr viele) an das alte Sprichwort erinnerten, wonach der Prophet nix gilt im eigenen Land.

Dass Herzog die Unter 21 (u.a. mit Marko Arnautovic und David Alaba) coachte, dann Josef Hickersbergers Co bei der Heim-EM 2008 und bei der WM 2014 von Chef Jürgen Klinsmann sehr geschätzter Trainer des US-Teams war, hat Entscheidungsträgern hierzulande mäßig imponiert.

Konträr zum Trainerjob war in Herzogs Spielerkarriere alles lange nach Plan gelaufen, der Ball ihm mit in die Wiege gelegt worden. Dank Papa Anton Herzog, der selbst als Spielmacher (bei Wacker, Admira, Sport-Club) gegolten hatte.

Von Vienna holte Hickersberger den 19-jährigen Rapid-Leihspieler Andi Herzog ins Nationalteam. Von Rapid holte ihn Otto Rehhagel nach Bremen. Von Bremens Meisterelf nahm ihn Rehhagel mit nach München, wo er darunter litt, dass ihn Lothar Matthäus und Co für des Trainers Protektionskind und Spion hielten. Der cholerische Tormann-Titan Oliver Kahn eilte einmal sogar aus dem Strafraum heraus, um seinen Wiener Mitspieler wutentbrannt am Hals zu packen.

Auch zu ganz Großen des österreichischen Fußballs war die Beziehung nicht immer konfliktfrei. Mit Herbert Prohaska versöhnte sich Herzog 1994 in New York. Drei Jahre bevor er Österreich zur WM schoss. Dass Herzog nach Hans Krankls Teamchef-Ende bereit war, mit Willibald Ruttensteiner interimsweise einzuspringen, verzieh ihm Johann K. lange nicht. Obwohl beide, was ihr Privatleben betrifft, sehr ähnlich, nämlich vorbildliche Familienväter sind.

Skandalsuchende konnten bei Herzog weder in Deutschland noch in Österreich fündig werden. Für kernige selbstkritische Aussagen ist Herzog hingegen im zunehmenden Alter immer zu haben. So entschuldigt er sich bei allen früheren Mitspielern, weil die für ihn, den nur offensiv orientiert gewesenen Regisseur, die Drecksarbeit verrichten mussten.

In diesem Sinne alles Gute dem ehrlichen Fuffziger.