Die Kabarettistin Nadja Maleh ist, alternierend mit Kollegen, regelmäßig Autorin dieser Kolumne

© Jeff Mangione

Kolumnen
05/24/2020

Der Bullshit-Detektor

Nadja Maleh über selbst gebastelte Aluhütte in der Corona-Krise und deren Passformen.

Ich habe kein Hutgesicht, Hüte stehen mir nicht. Was aber theoretisch jedem stehen müsste, ist ein Aluhut. Den kann man sich nämlich ganz leicht selber basteln und hinbiegen, bis er einem passt. Meiner Beobachtung nach gibt es unterschiedlich große Aluhüte. Vom winzigen Fingerhut bis zum riesigen Sombrero, der erfolgreich jegliches Licht vom Hirn fernhält und zerebrale Dunkelheit zur Folge hat, à la „Wir werden von gelbäugigen Echsenmenschen regiert, und der Mond ist nur ein hohles Bühnenbild, deswegen sehen wir die Rückseite nie!“.

Deshalb mein Vorschlag: können wir bitte die jeweilige Aluhut-Größe bestimmen und differenziert bewerten? Und noch wichtiger: Kann bitte irgendwer möglichst rasch einen Bullshit-Detektor erfinden, der beim geringsten Übertreten der Grenze zwischen konstruktiver Skepsis und Verschwörungstheorie laut piept. Bitte! An den Hüten sollt ihr sie erkennen. Revolutionäre stehen auf Baskenmützen. Pilotinnen tragen fesche Pilotenmützen, Bloggerinnen bevorzugen lässige Fischerhüte und im Kleinwalsertal trägt man an Festtagen bestickte Seidenhüte und Spitzkappen, aber das ist nicht das einzige, wofür das Kleinwalsertal berühmt ist.

Will jeder Aluhut-Träger die Welt umkrempeln oder vielleicht doch nur die beginnende Glatze verdecken?! Hängen Aluhut und Kopf-Losigkeit irgendwie zusammen? Einen Hut kann man je nach Lust und Wetterlage einfach abnehmen, aber wie wird man seinen Aluhut los? Durch vernünftiges Nachdenken, durch kritischen Faktencheck, durch Informationsgewinn aus seriösen Wissensquellen oder einfach auf willhaben? Für die Umwelt ist die Herstellung von Alufolie extrem belastend. Vielleicht könnte man ja umsteigen auf ein Backpapier-Hütchen, ein Bienenwachstuch-Kapperl oder einfach eine Brotdose aus Holz ... alles sinnvolle Alternativen!