KOLUMNE
12/14/2018

Das Klavier beim Postpartner

Von großen und kleinen Packerln oder: Eher geht eine Ikeatür in ein Postkastel.

von Barbara Mader

Im Substance Recordstore in der Westbahnstraße hat neulich Akte-X-Kultstar Gillian Anderson vorbeigeschaut. Die Frage, was sie dort gekauft hat, hat eine rege Debatte ausgelöst, ihre Fans plädierten jedoch für Diskretion. Wahrlich höfliche Paparazzi.

 

Ein Ort voller Überraschungen ist auch die Grätzelbuchhandlung des Vertrauens, seit kurzem Postpartner. Mit schlechtem Gewissen (online schadet dem Einzelhandel) steht man beim Schalter und ist froh, die Postlerin gewordene Buchhändlerin wenigstens nicht mit einem Absender zu verstören, der mit „A“ beginnt und mit „mazon“ endet. „Leider ist das Packerl groß“, flüstert man verschämt. „Was heißt schon groß“, seufzt die in der Vorweihnachtszeit zur Phlegmatikerin mutierte Frau. „Wir haben schon Klaviere und Türen gehabt.“ Staunen. Die Buchpartnerin aka Posthändlerin bestätigt. Ja, neulich habe jemand ein Klavier liefern lassen. Es sei zunächst nicht klar gewesen, ob es überhaupt in das Geschäft hereinpassen werde. Und ja, auch Möbel lassen die Leute die Buchhandlung liefern. Letztens war wieder eine Ikea-Tür dabei.

Mit dem relativ gesehen doch nicht so großen Packerl unterm Arm geht man heim und gerät ins Grübeln: Hilft es dahindarbenden Buchhandlungen, Anlaufstelle für Postleistungen zu werden? Kommt mehr Kundschaft in den Literaturfeinkostladen, wenn er Postpartner wird? Oder ist das Buchfachpersonal durch die zu erledigenden Postdienstleistungen nun vom bibliophilen Kerngeschäft abgelenkt?

 

 

Und, apropos Post, was ist eigentlich mit den Briefkästen los? Jetzt ist wieder einer verschwunden. Auf der Linken Wienzeile haben sie letztens einen abgenommen. Die Hausverwaltung erlaube keine Briefkästen, heißt es auf Nachfrage. (Erstaunlich, der Briefkasten hing dort Jahrzehnte). Es dürften in den vergangenen Jahren mehrere Hausverwaltungen draufgekommen sein, dass sie keine Briefkästen mögen. 1121 Briefkästen gibt es heute in ganz Wien, 2010 waren es noch 1208.

Man muss allerdings auch sagen: Eine Ikea-Tür passt auch nicht in so ein Postkastel.

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