Dabeisein ist alles: Olympia im Café
Wenn der Chef den Fernseher aufstellt, muss es was Wichtiges sein. Olympische Winterspiele zum Beispiel. Die erste Olympiade, die er bewusst erlebt hat, war Innsbruck 1976, als Franz Klammer am Patscherkofel unsterblich wurde und Karl Schnabl dem jungen Toni Innauer am Bergisel noch die Goldmedaille wegschnappte. Solche Erlebnisse prägen einen fürs Leben. (Nachsatz für Absolventinnen eines humanistischen Gymnasiums: Der Chef weiß, dass Olympiade nicht korrekt ist, er spricht manchmal aber ganz bewusst die Sprache des Volkes.)
Innsbruck 1976 hatte nicht nur österreichische Sternstunden zu bieten. Man denke an die zwei Goldenen der unvergessenen Rosi Mittermaier in Abfahrt und Slalom oder den Sieg des Schweizers mit dem herrlichen Namen Heini Hemmi im Riesentorlauf. Interessant auch: Die beiden Riesenslalom-Durchgänge der Herren fanden damals noch an zwei Tagen statt, während die Damen überhaupt nur einen Lauf fuhren (da holte Rosi Mittermaier übrigens Silber, hinter Kathy Kreiner aus Kanada).
Bei Olympia wird der Fernseher im Café aber nicht nur für Skirennen eingeschaltet, sondern für alles. Wer will, kann stundenlang das olympische Curlingturnier verfolgen, beim 50-Kilometer-Langlauf mitfiebern oder sich vom elegant-monotonen Kreisen der Eisschnellläufer einlullen lassen. Außerdem stehen aus gegebenem Anlass der Spezialtoast "Milano" (mit Mozzarella und Tomate) und ein "Caffè Cortina" (mit einem Tofana-Schuss Milch) auf der Speisekarte.
Dabeisein ist alles, heißt es bei Olympia gern. Das werden nicht alle Athletinnen und Athleten unterschreiben. Im Kaffeehaus aber stimmt es. Und zwar nicht nur alle vier Jahre, sondern grundsätzlich.
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