Warum fünf Euro für eine Melange billig ist

Es gilt das ungeschriebene Gesetz, wonach ein Gast im Kaffeehaus so lange sitzen darf, wie er oder sie will.
Wolfgang Kralicek

Die Debatte um die Preise im Kaffeehaus ist noch nicht ausdiskutiert. "Wenn ich ins Café gehe, einen Kaffee trinke und gleich wieder gehe, dann sind vier oder fünf Euro viel“, sagt Stammgast Ingrid. „Aber wenn ich ins Café gehe, um dort in Ruhe die Atmosphäre zu genießen und vielleicht noch die eine oder andere Zeitung zu lesen, dann sind die vier oder fünf Euro eigentlich sehr günstig." (Heftiges Nicken vom Chef.)

Ein entscheidender Faktor ist hier das ungeschriebene Gesetz, wonach ein Gast im Kaffeehaus so lange sitzen darf, wie er oder sie will. Nirgendwo sonst kann man zwei, drei Stunden so günstig im Warmen verbringen wie im Café. Deswegen widersprechen Tischreservierungen im Grunde dem Geist des Kaffeehauses – dann muss man ja zu einer bestimmten Zeit den Tisch räumen.

Zeitunglesen spart Geld

Für alle, die hauptsächlich ins Kaffeehaus gehen, um Zeitungen zu lesen, amortisiert sich die Melange besonders schnell. Wer an einem normalen Wochentag KURIER, Standard und Presse, SN und Kleine, Süddeutsche, Frankfurter und Neue Zürcher liest, müsste dafür erstens eine sehr gut sortierte Trafik aufsuchen und zweitens rund 30 Euro investieren. Dann lieber fünf Euro für die Melange! Oder zehn für zwei.

Ein Stammgast, der selbst bei der Zeitung arbeitet, hatte manchmal ein schlechtes Gewissen, dass er die Zeitungen im Café quasi "gratis" liest. Und stellte irgendwann eine Regel auf: Im Kaffeehaus darf nur Zeitungen lesen, wer mindestens eine abonniert hat. "Haben wir!", beteuern die Stammgäste im Café Kralicek. Aber die behaupten ja auch, dass sie am Sonntag für die Zeitung zahlen.

Kommentare