Eine Kuranstalt ist kein Kaffeehaus
Der Chef ist nicht da. Er ist weder verreist noch krank noch inhaftiert, sondern alles auf einmal. Er ist auf Kur, das ist eine Mischung aus Urlaub, Krankenstand und Haft. Die Anstalt, in der er derzeit logiert, ist auf Stoffwechsel spezialisiert, das ist eine Umschreibung für Übergewicht. Die Menschen, die dort kaserniert sind, sind zu dick. Das wirkt sich auf den Speiseplan aus. Das Essen schmeckt anders, als die meisten das gewohnt sind, und die Portionen sind deutlich kleiner. An ein Schnitzel darf nicht einmal gedacht werden, Alkohol ist noch verbotener als im Chicago der 20er-Jahre.
Ein Stammgast, der mit dem Chef telefoniert hat, berichtet den anderen, wie es dem Kurgast geht. Die Diätkost stört ihn gar nicht, damit war ja zu rechnen. Nur das Frühstück macht ihn fertig. "Es gibt wirklich NICHTS, was ich daran so liebe!" Buttersemmel? Vergiss es, weder Butter noch Semmeln sind erlaubt. Eier im Glas? Glas ja, Eier nein. Ham and Eggs? Sehr witzig. Auch die Frage, wie der Kaffee ist, fand er nicht besonders lustig.
Lasst mir das Frühstück!
Man müsse sich um ihn keine Sorgen machen, sagte er noch, die Kur tue ihm gut. Er weiß, dass er seine Essgewohnheiten auch nach der Kur einigermaßen drastisch verändern wird müssen. Aber der strenge Kurbetrieb habe ihm vor Augen geführt, wie wichtig ihm das Café ist – und zumindest das Frühstück will er sich nicht nehmen lassen. Das Schnittlauchbrot wird dann halt ein Schnittlauchvollkornbrot sei sein, statt zwei Eiern im Glas wird’s nur eines geben, und im Ernstfall – wenn etwa auch noch ein Croissant im Spiel ist – muss das Mittagessen eben ausfallen. Halb so schlimm, es ist eh kein Schnitzel.
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