Gerechtigkeit für das Café Landtmann

In einem Kaffeehaus können die Gäste sitzen, so lange sie wollen. Das hat mitunter eben seinen Preis.
Wolfgang Kralicek

Neulich meldete sich ein Gast zu Wort, der die Debatte der Stammgäste über die Kaffeehauspreise mitbekommen hatte, in der das Café Landtmann (Melange: € 6,90) nicht gut wegkam. "Vorige Woche hat meine Großtante zu einem runden Geburtstag ins Landtmann geladen", erzählte er. "Ich war zuerst nicht begeistert, weil das Landtmann nicht zu meinen Lieblingscafés gehört. Zu viele Touristen, zu teuer. Aber eines muss man ihm lassen: Der Kaffee und der Service waren erstklassig, auf dem Tisch lag ein weißes Tischtuch."

Wirklich beeindruckt war der Mann aber von etwas anderem. "Irgendwann war nur noch ich übrig, und ich fragte den Ober, ob ich noch ein bisschen sitzen bleiben und Zeitung lesen könne. Er sagte darauf nur: ,Wir schließen um 23 Uhr.‘" Im Café Kralicek brandete an dieser Stelle Szenenapplaus auf.

Das unendliche Wasserglas

"Genau so gehört sich das!", rief Stammgast Elfriede euphorisch. "Kann sich noch wer erinnern, dass die Kellner in Wiener Kaffeehäusern früher regelmäßig ungefragt ein frisches Glas Wasser vorbeigebracht haben?"

"Ist das nicht immer noch so?", warf Stammgast Klaus ein. "Mir ist es schon länger nicht mehr aufgefallen", sagte Elfriede. "Das kann aber auch daran liegen, dass ich nicht mehr, wie früher, stundenlang bei einem Mokka sitze, sondern eh dauernd was bestelle."

"Im Café Kralicek wird jedenfalls noch frisches Wasser serviert"‚ hält der Chef fest. Den Rekord halten zwei Gäste, die je eine Melange hatten – und sieben Glas Wasser. "Die haben dann so viel Trinkgeld gegeben, dass sie locker eine zweite Melange bestellen hätten können."

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