Kolumnen
02/07/2021

Auseinanderraufen

Die Zeit ist rau, die Sprache ebenso. Man nennt einander Gutmensch, Tollmensch, Unmensch, statt einfach Mensch zu bleiben.

von Birgit Braunrath

Die Zeiten sind zum Haareraufen. Und jetzt sperren auch noch die Friseure auf. Was bleibt denn übrig, wenn die Haare ab sind? Nur das Raufen. Und da schaut es derzeit nicht nach der österreichischen Lösung „Rauf ma uns zam“ aus. Man rauft sich immer weiter auseinander.

Im Namen irgendeiner Scheinmoral oder Scheinrechtmäßigkeit macht man einander wechselseitig unmoralisch und unrechtmäßig zur Sau. Die Beschimpfung „Gutmensch“ ist nicht mehr gut genug. Die Steigerung lautet jetzt „Tollmensch“ und soll auf herablassende Weise suggerieren, dass jene, die für Menschlichkeit eintreten, dies nur tun, weil sie sich toll und überlegen fühlen wollen. Die sogenannten Tollmenschen nennen die Tollmenschensager daraufhin „Unmenschen“, die Eskalationsspirale dreht sich. Dabei würde es reichen, wenn jeder einfach nur Mensch bliebe. Dann könnte man sich jenseits aller Konflikte treffen, dort, wo man einander noch in die Augen schauen kann, um zu erkennen, wie haarig die Zeiten sind, – und sich zusammenraufen.

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