Kolumnen
05.05.2018

Anstoß: Spalier ist nicht ihr Bier

Für den Meister Spalier zu stehen, zeugt von sportlicher Fairness und Respekt. Nur wenige beherrschen diese Disziplin.

Zinédine Zidane war ein großartiger Fußballer mit Vorbildfunktion. Als erfolgreicher Real-Trainer lässt er an diesem Wochenende allerdings die gewohnte Größe vermissen. In Spanien gilt es als ungeschriebenes Gesetz, dass – sobald der Meister gekürt ist – der jeweils nächste Gegner zur Ehrenbezeugung Spalier steht, El Pasillo genannt. Am Sonntag gastiert Real Madrid bei Titelträger Barcelona, Zidane sprach sich im Vorfeld gegen die sportlich faire Geste aus. Bisher wurde in der spanischen Liga-Geschichte erst drei Mal beim Clásico Applaus gespendet.

In der österreichischen Liga stellten sich 2014 die Austrianer artig auf, um den Meisterkickern aus Salzburg zu huldigen. Allerdings nach heftigen vereinsinternen Diskussionen, bei denen sich die Spieler letztlich durchgesetzt haben. Aktuell erscheint diese noble Geste, besonders zwischen den Wiener Rivalen, undenkbar. Weil der Blick nicht über den Schrebergarten des eigenen Bezirks hinausreicht.

Dabei wäre dieses Zeugnis von Charakterstärke ein deutliches Signal in Richtung vieler in ihrer Engstirnigkeit gefangenen Anhänger und somit viel effektiver als jede von der UEFA oder FIFA künstlich inszenierte Fairness-Kampagne. Reden ist das eine, handeln und aktiv vorleben das viel Wichtigere.alexander.strecha