Alfred Dorfers im WM-Fieber: Korruption in Spielklassen

Drei Stimmen, drei Blickwinkel, ein Sport: Mal analytisch und pointiert, mal emotional und augenzwinkernd, mal überraschend quer gedacht. Hier schreiben abwechselnd Schriftsteller Franzobel, Schauspieler Alfred Dorfer und Autorin Johanna Sebauer.

Von Schauspieler Alfred Dorfer

Korruption hat manchmal Strukturen, die dem Fußball erstaunlich ähneln. Auch hier gibt’s die Regionalliga, die eher bei uns beheimatet ist. "Da werden wir keinen Richter brauchen" oder "Geht das Ausmalen auch ohne Rechnung?" Das vermeidet lange Wege und Steuern.

Die Bundesliga in Sachen Korruption wird eher der östlichen Hemisphäre zugeschrieben. Also: Liefern oder Knieschuss. Da geht es schon um größere Dimensionen, ein Hauch von Internationalität weht durch den Deal, die Folgen sind weitreichend und schließen Körperverletzungen nicht aus. Aber wenn es um die ganz große Nummer geht, global und milliardenschwer, braucht es absolute Profis. Und in dieser Champions League darf die Schweiz nicht fehlen.

Die FIFA ist ein schöner Beweis dafür, sie ist quasi die UNO des Fußballs, nur konsequenter. Waren manch optimistische Geister noch der Ansicht, nach Blatter könne nichts Besseres nachkommen, nun, sie irrten. Die WM-Vergabe an Russland war als demokratiepolitisches Aufbauprojekt gedacht, und spätestens seit 2022 wissen wir, es hat gefruchtet. Ebenso war es überfällig, eine Fußballgroßmacht wie Quatar mit der Ausrichtung zu betrauen.

Auch dabei standen Transparenz und Menschenrechte im Vordergrund. Die Spiele fanden in der friedlichsten Zeit des Jahres statt und unterstrichen die Friedensagenda der FIFA ohne Eigennutz. Konsequenterweise erschuf spontan, ohne Wissen der meisten Delegierten, der FIFA-Präsident mit kindlicher Freude den neuen Friedenspreis. Betont unpolitisch, das größte Credo des Verbandes, ging dieser Nobelpreis für Arme an den amerikanischen Leader. Auch da werden wir keinen Richter brauchen. Manchmal liegen Regionalliga und Champions League näher beisammen als man glaubt.

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