Kolumnen
08/19/2019

125. Geburtstag: Geschichten aus der Vienna-Vergangenheit

Schon als Jung-Siebzigerin drohte die Vienna (wie später noch einige Male) an Funktionärseitelkeiten zu zerbrechen.

von Wolfgang Winheim

Unabhängig vom ersten Punkteverlust – der LASK gilt am Dienstag trotz Heimvorteil, trotz seinem tüchtigen Kapitän Gernot Trauner im Champions-League-Play-off als Außenseiter gegen Brügge. Doch allein schon die Tatsache, dass einen Klub, der vor 54 Jahren zum ersten und letzten Mal österreichischer Meister wurde, von Europas Meisterliga nur 180 Spielminuten trennen, ist sensationell und kurios zugleich.

Ihren bis heute einzigen Titelgewinn hatten die Linzer 1965 auf der Wiener Hohen Warte fixiert. Mit einem 3:1 gegen die Vienna. Gegen Österreichs ältesten Klub, der in dieser Woche sein 125-jähriges Bestehen erlebt. In Wahrheit ist das auch ein Fußballwunder.

Verwanzt

Schon als Jung-Siebzigerin drohte die Vienna (wie später noch einige Male) an Funktionärseitelkeiten zu zerbrechen. Die ärgerten den vom grimmigen Nationalteamverteidiger zum Sektionsleiter gewordenen Rudi Röckl einst dermaßen, dass er, der g’lernte Elektriker, klammheimlich Mikrofone im Kamin des Sitzungszimmers installierte. So bekam Röckl, in seinem vor der Hohen Warte geparkten Auto sitzend, jeden nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Beschluss und jede Intrige des Führungsgremiums mit, die er dann postwendend Journalisten verriet.

Entnervt suchte Viennas Vorstand in seinen eigenen Reihen den Verräter. So lange, bis nur noch die zwei Ranghöchsten übrig blieben, doch am nächsten Tag erneut „streng Vertrauliches“ in den Zeitungen stand. Zumal sich mit Vienna-Streitereien damals noch Schlagzeilen machen ließen, weil die Blau-Gelben zum fixen Bestand des Fußball-Oberhauses zählten.

Inzwischen spielt der Jubilar nur in der vierten Liga. Lockt aber nach überlebtem Konkurs und Zwangsabstieg dank seiner Tradition wieder jüngeres Publikum, ja sogar ältere Promis und namhafte Sponsoren an. So werden am selben Tag, an dem der LASK Club Brügge empfängt, anlässlich des 125. Vienna-Geburtstages bei einem Fußball-Talk im UNIQA-Tower Ex-Weltmeister Mario Kempes (der argentinische WM-Schützenkönig stürmte 1986/’87 für die Vienna) und Peter Stöger (der neue Austria-Sportdirektor war 1987/’88 als Spieler und von 2007 bis 2010 als Trainer bei der Vienna) Ehrengäste sein.

Verehrt

Kempes ist bereits aus Connecticut (USA) kommend in Wien gelandet. Mit den neuen Büchern von „El Matador“ (Vollstrecker) im Gepäck. Nach Mario Alberto Kempes wurde in dessen Heimatprovinz kürzlich das renovierte, neu überdachte Stadion benannt. Und zwar jenes, wo Hans Krankl 1978 die Deutschen...

Immer wieder Córdoba.