Obst und Gemüse im Blumentopf in der Klasse pflanzen

© Heinz Wagner

Kiku
05/14/2019

Von der Schmetterlingswiese bis zur Upcycling-Taschenlampe

Kinder-KURIER und schauTV-Besuch in der Öko-Mittelschule Anton-Baumgartnerstraße in Wien-Liesing.

Schon vor der Schule empfängt eine Schmetterlingswiese die Vorübergehenden. Marcel und Hüseyin streuen beim Besuch von Kinder-KURIER und schauTV Blumensamen. Hier wächst eine blühende Oase - in Zusammenarbeit mit dem Stadtgartenamt und der Bezirksvorstehung - gegenüber der U6-Station Alterlaa und der bekannten Wohntürme mit den „hängenden Gärten“. Wunderbar passt sie zur Ökö-NMS hier an der Anton Baumgartnerstraße in Wien Liesing.

Seit „ewig“

Ökologie ist hier in dieser Schule kein neumodisches Ding, mit dem man auf einen PR-Zug aufspringen will. Seit Jahrzehnten (Ende der 80er/Anfang 90er des 20. Jahrhunderts) trägt die (Neue) Mittelschule dieses Namenskürzel. Neben zwei Mal jährlich durchgeführten Projektwochen - jeweils mit einem anderen Schwerpunkt - fließt der Grundsatz des sorgsamen Umgangs mit unserer Umwelt in so ziemlich jedes Fach des Stundenplans ein.

Unser Besuch füllt in die Schwerpunktwoche Anfang Mai. In der 2d bemalen die Schülerinnen und Schüler gerade Blumentöpfe, einige Kolleg_innen aus der Parallelklasse, der 2c haben diese Arbeit schon hinter sich und kommen mit Vorbildern. In ihre Töpfe haben sie bereits Paradeiser- bzw. Paprikapflanzen eingesetzt - nicht nur. Neben den Gemüsepflanzen finden sich auch noch kleine Erdbeerpflänzchen - die kommen übrigens aus dem privaten Garten des Lehrers Thomas Haberl - auch eine Form der Nachhaltigkeit. Letztere ist Thema der Schwerpunktwoche in dieser Saison.

FengSCHUI-Goatn

Neben den Blumentöpfen, die die Jugendlichen mit nach Hause nehmen und dort weiter pflegen werden, bereiten sie sich damit auf die Betreuung der Schulbeete im Ruhegarten der Schule vor. Der wird liebevoll „FengSCHUI Goatn“

Dort sehen wir bei unserem Lokalaugenschein die beiden schon eingangs genannten Blumensamenstreuer der hier auch beheimateten Fachmittelschule (statt des Poly) nun gemeinsam mit Florian das Biotop mit Netzen von allem möglichen Mist befreien. Außerdem werken sie daran, das Ufer des kleinen Teiches mit hellen Steinen wieder schön herzurichten. Neben dem Biotop streichen Ayse und Yasmin Tritthölzer, die über Kanaldeckel kommen, mit einem biologischen Lack. In einer anderen Ecke dieser idyllischen grünen Erholungsinsel samt riesigem Insektenhotel reinigen Amir und Diyar einen Pflanzenhügel neben dem künftigen Freigelände für Schildkröten. Das haben sie schon zuvor mit Mauersteinen begrenzt in die sie Erde eingefüllt haben. „Da sollen Erdbeeren wachsen“, berichten sie. Die Schildkröten steuert Lehrer Leo bei, der mehr als zwei Dutzend davon in seinem Garten hat.

Sport

Dieser Garten dient der Ruhe und Erholung. Fürs Austoben, Laufen, (Fuß-)Ballspielen gibt’s einen zweiten - mit Trinkbrunnen. Sport ist den Jugendlichen hier sehr wichtig, denn sowohl Mert Önder als auch Diçle Çay, Schulsprecher und die Stellvertreterin, nennen in Interviews sportliche Turniere als jenen Wunsch, der am meisten von ihrem Wahlvolk an sie herangetragen wird.

Upcycling

In der Schwerpunktwoche steht u.a Upcycling auf dem Programm. Aus leeren Duschgel-Flaschen und Ähnlichem basteln die Jugendlichen, statt diese Dinge wegzuwerfen, Taschenlampen. Rein kommen natürlich Batterien und Drähte. Jeder Deckel muss ein Loch bekommen, um dort die Lampe montieren zu können und an der Seite braucht’s einen Ein-/Ausschaltknopf. Elenur, Beyza und Ersin zeigen schon stolz ihre fertigen selbst gebauten Erheller der Dunkelheit. Michael lässt sich von der besonders geschickten Hafsah helfen.

Kopf-Kino

Das Thema wird in dieser Woche auch künstlerisch umgesetzt - mit Inspirationen einer Künstlerin (Angela Csoka, über Kulturkontakt finanziert). Alle Leinwände zieren schwarze Schattenköpfe - es sind die der jeweiligen Schüler_innen. Im Bereich des Hirns ist der Schatten hell unterbrochen. In weißen „Gedankenblasen“ mal(t)en die Kinder und Jugendlichen, was ihnen zu Nachhaltigkeit in den Sinn kommt/kam. Fast natürlich finden sich viele Bäume, Blumen, Sonne usw.

Caisey: „Ich hab mir überlegt, weil wir ja Insekten brauchen, dass ich eine große Biene male, und Bäume, die wir für den Sauerstoff brauchen. Insekten brauchen wir, damit wir Gemüse und Obst bekommen, weil die ja die pflanzen bestäuben.“

„Eine Sonne, zwei Bäume und Gras“ hab ich gemalt, schildert Sofian, „weil mir die Natur wichtig ist. Ich geh auch sehr oft raus mit Freunden. Ich bin nicht so einer der uroft PlayStation, PC oder so spielt. Ich bin so einer, der eher so rausgeht. Ich treff mich mit Freunden da bei Alt-Erlaa. Wir gehen spazieren auf den Rodelberg, wo wir auch Ball spielen. Es ist schön draußen, das möcht ich mit Freunden genießen.“

Antonio schildert: „Ich hab mir gedacht, dass wir alle halt viel auf der Welt kaputt machen und das sehen wir generell nicht. Aber ich hab mir Energie gespart, weil ich mit meinen Freunden immer rausgehe. Das große Herz steht für Freunde, Freundschaft bedeutet mir sehr viel.“

Auch Idris Bild ist davon geprägt. „Ich mag die Natur und muss drei Mal in der Woche rausgehen, weil sonst hab ich keinen Spaß. Wenn man Ball spielt und niederfällt tut’s schon weh aber nicht so wie am Beton. Deswegen hab ich die Natur gezeichnet und auch einen Mond.“

Manche gehen das Thema viel breiter an, so auch die 12-jährige Laya, die prominent einen Regenbogen in ihre Gedanken malte. „Regenbogen ist eigentlich wie Zufriedenheit, man ist irgendwie friedlich, wenn man in der Natur einen Regenbogen sieht. Bunte Farben find ich sehr schön, aber auch die dunklen find ich schön. Und da hab ich auch so zwei Teile einer Kette gemalt, meine beste Freundin und ich haben auch in echt zwei so halbe Stücke einer Kette. Das Herz steht für die Freundschaft. Und das Symbol da außen sind drei Stücke, wir sind drei beste Freunde.“

Ökologischer Fußabdruck

Dass unser Umgang mit den Ressourcen mit der gesamten Welt zusammenhängt, steht nicht zuletzt im Informatik-Raum auf dem Programm. An den Computern berechnen die Kids ihren jeweiligen individuellen ökologischen Fußabdruck. Dazu beantworten sie die Fragen nach der Wohnungsgröße, nach den Verkehrsmitteln, die sie unter anderem auf dem Weg zur und von der Schule benutzen, was sie wie einkaufen...

Nadja hat einen viel größeren - 5 GHA (globaler Hektar) - als Yasmina, führt das darauf zurück, „dass ich mehr Fleisch esse“ und meint „ich werde vielleicht mehr Bioprodukte kaufen und weniger Fleisch essen“. Yasminas 3,1 GHA begründet sie eben damit „weil ich sehr wenig Fleisch esse und wenig Fisch und ich Essen nicht gleich wegschmeiße, sondern schau, wenn’s nicht vergammelt ist, dass ich’s noch esse.“

Mihran zeigt Gläser mit selbst gemischtem Kräutersalz aus Oregnao, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch...

Als kaum noch jemand davon sprach, vor mehr als 40 Jahren, schrieb Felix Mitterer "Die "Superhenne Hanna", über das leid von Hühnern in sogenannten Legebatterien...

schauTV-Interviews...

Warum diese Schule?

Wir wollen natürlich auch immer wieder von Jugendlichen wissen, weshalb sie sich gerade für eine Schule mit ökologischem Schwerpunkt entschieden haben. „Weil ich der Welt was Gutes tun will“, beginnt Nadja. „Ich wollt mehr über die Umwelt lernen. Wir haben zwei Mal im Jahr eine Öko-Schwerpunktwoche mit verschiedenen Themen. Jetzt haben wir zum Beispiel die Nachhaltigkeit. Da haben wir mit einer Künstlerin was zu diesem Thema auf Leinwände gemalt. Wir haben aber auch Kräuter gepflanzt und Erdbeeren. In der ersten Klasse hatten wir ein anderes Thema: Miteinander umgehen.“

Wie sie überhaupt auf die Idee gekommen ist, so eine Schule zu suchen, beantwortet Nadja so: „Im Fernsehen hab ich gern Sendungen über die Umwelt und die Welt gesehen und dann dachte ich mir, ich geh in diese Schule, weil da kann ich noch mehr darüber lernen.“ Greta Thunberg und ihre Initiative findet sie toll, gesteht aber „dass ich mir das alleine nie getraut hätte“.

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Eltern aufklären

Yasmina ergänzt: „Ich achte was ich kaufe oder kauf nicht gleich etwas, nur weil es in der Werbung gezeigt wurde. Und ich schau drauf, so wenig wie möglich Plastik zu kaufen. In der Woche haben wir auch viel von Nachhaltigkeit gehört zum Beispiel, dass LKW Äpfel aus Frankreich bringen, aber es gibt ja auch bei uns Äpfel. Und das ist halt schlecht für die Luft. Jetzt schau ich drauf und sag das auch immer meinen Eltern.“

Die schon erwähnte stellvertretende Schulsprecherin Diçle Çay gibt zu, „vorher nicht so ökologisch interessiert“ gewesen zu sein, „aber als ich in diese Schule gekommen bin, hatte ich mehr Interesse“.

Wie sich das auf ihr tägliches Leben auswirke, wollen wir wissen. „Das heißt, ich trenne jetzt Müll, kaufe fast nur Bioprodukte und hab auch meine Eltern dazu überredet.“ Letzteres sei gar nicht schwierig gewesen, erzählt sie. „Sie fanden’s sehr toll und haben, als ich ihnen das beim gemeinsamen Sitzen am Tisch gesagt habe, einfach ja gesagt.“

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Ihr gewählter Kollege, Schulsprecher Mert Önder „war als Kind schon etwas interessiert für Ökologie, Umwelt, Tiere und so weiter“. Zwei Leute hätten ihm diese Schule empfohlen. Die Wahl findet er nun, immerhin gegen Ende der 4. Klasse, sehr gut: „Ich hab hier viel - auch über die Umwelt - gelernt, viele Freunde gewonnen, tolle Lehrerinnen und Lehrer gehabt.“ Für sein Alltagsleben nimmt er mit, seither „nur Bioprodukte zu kaufen. Dazu konnte ich auch meine Eltern überreden. Wir achten auch auf Mülltrennung mehr, verschwenden nicht unnötig Strom, drehen Elektrogeräte immer ab, wenn wir sie nicht brauchen oder stecken sie sogar aus.“

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