Schnappschuss aus dem Workshop

© Heinz Wagner

Kiku
12/21/2019

Theater-Workshop: Froh, sich aufführen zu dürfen

KiKu-Besuch bei einem Workshop des Theaters der Jugend, mit verschiedenen Methoden aus einem „Theatralen Mischpult“.

von Heinz Wagner

Manchmal bewegen sich die Jugendlichen wie in Zeitlupe durch den Raum. Dann wiederum hüpfen sie auf der Stelle, springen wie wild tanzend, die ganze Fläche benutzend. Oder stolzieren einzeln hintereinander wie bei einem Gang über einen Catwalk. Wir befinden uns in einem Raum neben dem glasüberdachten Pausenhof im Renaissancetheater, der großen Spielstätte des Theaters der Jugend in Wien. Zwölf Mädchen, die meisten um die elf Jahre, nehmen hier an einem der Workshops des großen Kinder- und Jugendtheaters teil.

In diesem Workshop geht es nicht darum, ein Stück einzustudieren, nicht einmal eines zu erarbeiten. Hier lernen die Teilnehmerinnen – Buben haben sich ganz, ganz wenige gemeldet und die sind abgesprungen - verschiedenste Methoden kennen, mit denen auf Bühnen etwas dargestellt werden kann. Wobei so manches, durchaus auch abseits des Theaters von Vorteil sein kann.

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Vom Schreien bis zum Roboter-Style

Schreien, fallen, flüstern, freeze; Rücken zum Publikum, Roboter-Style, Spiegeln; Stolz, Trauer, Freude, Neid; Reihe vorne, Schlange, Kreis. … Karten mit all diesen und noch viel mehr Begriffen liegen auf dem Boden dieses Raumes. Dahinter bewegen sich zwölf Mädchen, die meisten ca. elf Jahre alt. Sie nehmen an einem Workshop teil.

Die besagten Karten – in verschiedenen Farben – werden „Theatrales Mischpult“ genannt. Sie sind Teil eines Materialienkoffers für Darstellendes Spiel und Theaterunterricht (Maike Plath, Das methoden-Repertoire Erweiterungsset“, Beltz Verlag). Klarheit bzw. Fokus steht beispielsweise auch auf solchen Karten. Ob Referat oder auch „nur“ irgendein Gespräch, das kann schon ganz schön hilfreich sein.

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Lüge oder Wahrheit

Von einzelnen Bewegungen – mit Angaben aus dem Mischpult durch die Theaterpädagogin - bis zu kleinen Szenen, die sich die Teilnehmerinnen – in Kleingruppen – ausdenken und den anderen vorspielen, spannt sich der Bogen dessen, das der Kinder-KURIER hier beobachten, fotografieren und zu diesem Artikel hier verarbeiten darf.

Inhaltlich drehten sich Abschnitte des Workshops um das Spiel von Lüge und Wahrheit, Vertrauen und Verständnis, war doch dieser aus fünf Nachmittagen bestehende Workshop ans Stück „Alles Gute“ gekoppelt. Auch die künftigen Workshops kreisen jeweils um die aktuell dann laufenden Stücke.

Manche spielen schon seit "ewig"

Manche der Teilnehmerinnen haben schon so manche Theater- oder Schauspiel-Vorerfahrung – in Schulen aber auch außerhalb. Mathilde hat schon einer Freundin einen Film gedreht. „Wir haben alles gemacht, gespielt, gedreht, Maske, Kostüme“, sprudelt sie drauflos. Pauline hat „schon immer gern geschauspielert, ab dem Kindergarten sogar“ und für sie könnte dieser Bereich auch ein mögliches späteres Berufsfeld werden, kann sie sich vorstellen.

Marlene hatte unterschiedliche theater-Phasen, zunächst in der Volksschule, dann eher weniger und zuletzt wieder Schauspiel im Zusammenhang mit einem Filmdreh mit einer Freundin. Jahanna kam zu diesem Workshop übers Reinschnuppern bei einem probe-workshop, „mir gefällt es vor allem, immer wieder in andere Rollen zu schlüpfen.“

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Eher Lehrerin

Die zuvor genannten sind alle elf Jahre. Zwei Jahre älter ist Clara, die sich an Auftritte in Weihnachts- und Osterstücken in der Volksschule zurück erinnert und vor allem daran, dass „mir das totalen Spaß gemacht hat“. Das macht es jetzt wieder in der Schule, wo sie die unverbindliche Übung „Alles Bühne“ besucht, „Text lernen ist für mich kein Problem“. Dennoch kann sie sich Theater oder Schauspiel nicht als Beruf vorstellen. Das gilt auch für Luisa (11), die gern einen sozialen Beruf wie Lehrerin ergreifen möchte, dabei aber durchaus die eine oder andere der hier im Workshop ausprobierten und erlernten Methoden einsetzen würde.

Ausleben dürfen

Mehrere der Teilnehmerinnen meinten auch, dass ihnen am Workshop gefalle, hier ein wenig sozusagen Verrücktheiten ausleben zu können. Etwa in der Schule würden sie sich da zurückhalten, was andere Kinder denken wäre zwar einigen „wurscht, aber nicht, was die Lehrer oder Lehrerinnen denken!“ – Übrigens jener Materialienkoffer, den die Theaterpädagoginnen in diesem Workshop verwenden, heißt „Freak out mit Engel-Stopp“. ;)

Follow@kikuheinz

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