Kiku
29.10.2018

Drei bis vier Mal lachen pro Schulstunde

Neue (Literatur)Studie „Lernen und Lachen – wie Humor die Lernleistung beeinflusst“. Nun auch mit: Österreich-Bezug und Kommentar.

Update: 29. Oktober 2018, 20.57 Uhr: endlich auch mit Antworten auf die Frage wie es dazu in Österreichs Pädagogik-Ausbildung aussieht und einem Kommentar dazu.

Jede Schulstunde in der nicht drei bis vier Mal gelacht wird, ist eine verlorene Unterrichtseinheit. So könnte sich das Ergebnis einer neuen Studie in Abwandlung eines Charlie Chaplin zugeschriebenen Zitats zusammenfassen lassen. Der Humor-Meister soll gesagt haben: „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Im Nachhilfeinstitut Lernquadrat in der Wiener Mariahilfer Straße präsentierte Studienautorin Claudia Jennel Dienstagvormittag ihre Literaturstudie „Lernen und Lachen“. Dafür hatte sie Dutzende Studien und Untersuchungen aus dem angloamerikanischen Raum, aus Griechenland und Deutschland durchforstet. Lange war Humor für Pädagog_innen verpönt, es galt der alte Satz vom „Ernst des Lebens“, der mit der Schule beginne. Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde das alte Dogma ansatzweise überwunden.

Selbstironie

Humor und Lachen dienen einerseits der Auflockerung sowohl in angespannten Situationen als auch um bei abflachender Konzentration wieder Aufmerksamkeit zu erzielen. Sie können aber auch ein positives Klassenklima erzeugen. Dafür darf das Lachen nie auf Kosten einer Schülerin/eines Schülers gehen. Miteinander lachen, nicht über jemanden lachen. Ausnahme vielleicht: Die Lehrkraft nimmt sich selber auf die Schaufel, bricht damit auch die Hierarchie.

Ausgangspunkt für die Studie, so LernQuadrat-Gründer Konrad Zimmermann: „Ich war selber zehn Jahre Lehrer an einer HTL, habe die Stunden jeweils mit einem Witz begonnen, bis mir Jugendliche gesagt haben, dass ich nicht gut Witze erzählen kann. Aber lernen beginnt mit einem Lachen, das hab ich dann eben anders versucht.“ Und aus der jahrelangen Erfahrung mit seinen Lernhilfe-Instituten: „Zu uns kommen ja oft Kinder und Jugendliche, die in der Schule nicht viel zu lachen haben und eben Nachhilfe brauchen. Wir wollen ihnen vermitteln, dass lernen Freude und Spaß machen kann.“ So lernen sie freiwillig, gerne und damit verbessern sie ihre Leistungen.

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Muss passen

Humor muss, so auch eines der Ergebnisse der Studie von Claudia Jennel, zur Situation, zum Umfeld, zur jeweiligen Klasse passen.“ Neben der Literaturstudie wurden auch 500 Nachhilfeschüler_innen zwischen 10 und 18 Jahren von LernQuadrat im Sommer dieses Jahres schriftlich befragt. Nur rund ein Fünftel der Befragten fand die eigenen Lehrkräfte sehr, ein Viertel wenig bis gar nicht humorvoll. Mehr als die Hälfte findet es „super, wenn deine Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht Spaß machen“. Für störend oder peinlich halten dies hingegen nur 2,4 %.

Sechs von zehn der befragten Kinder und Jugendliche geben auf die Frage: „Hast du das Gefühl, du lernst mehr in einem Fach, wenn deine Lehrerinnen und Lehrer ab und zu Spaß machen?“ an: „Ja, das hilft mir“. Daraus folgend wünschen sich 52,4 Prozent mehr Humor im Unterricht.

Die Studienautorin legt sowohl die physischen als auch die psychischen Vorzüge und Vorteile von Lachen, das entspannt und entkrampft, Motivation fördern kann usw. dar, zeigt aber auch Grenzen auf. Neben den schon genannten, dass Lachen nicht auf Kosten Kindern und Jugendlichen gehen dürfe, finden auch pubertierende Jugendliche mitunter solche humorvoll gemeinte Elemente von Pädagog_innen eher peinlich, anbiedernd oder sind vor allem dann verstimmt, wenn sie merken, das ist nur Mittel zum Zweck. Vorsicht ist jedenfalls, so die Studienautorin, geboten bei suizidgefährdeten Kindern und Jugendlichen. Fingerspitzengefühl ist DAS „Zaubermittel“ beim Einsatz von Humor in der Schulstunde.

Es funktioniert ;)

Claudia Jennel, die selbst als Sozialpädagogin arbeitet, berichtete am Rande der Studienpräsentation dem Kinder-KURIER auch, dass sie in ihrer Arbeit mit Kindern diese Wirkung auch schon selbst erlebt habe. Ein achtjähriges Mädchen mit Lernstörungen hatte stets so viel Angst vorm lauten Vorlesen, dass es immer zu weinen begann. Als Jennel versuchte, Erkenntnisse aus ihrer Studie anzuwenden und Humor in die Situation brachte, war’s aus mit Weinen, das Mädchen lächelte, las und meinte, zum ersten Mal Spaß dabei gehabt zu haben.

Übrigens: die Studie rät auch Eltern, Humor im Fall von Hausübungen oder Lernen einzusetzen: Humorvoll statt vorwurfsvoll! So der grundsätzliche Tipp.

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10 Tipps für mehr Humor in deinem Leben

1.: Humor ist eine Fähigkeit die erlernbar ist! Entscheide dich deshalb dafür, humorvollen Dingen mehr Platz in deinem Leben zu geben.

2.: Schaffe dir Hilfen, die dich an deine Entscheidung erinnern: Sprüche, Karten, Post-it‘s, Knoten im Taschentuch, …

3.: Schreib dir deine Lieblingswitze auf und erzähle sie weiter.

4.: Führe ein Humortagebuch. Schreib alles auf, was dir an humorvollen Situationen in deinem Leben begegnet. Vergiss auch die kleinen Freuden nicht! Greife an nicht so guten Tagen auf deine Aufzeichnungen zurück.

5.: Such dir Vorbilder, denen es leichtfällt, Stresssituationen mit Humor zu nehmen.

6.: Suche dir humorvolle Sprüche und Zitate zu deinen Schwächen, z.B. „Wer mich nicht mag, muss halt noch an sich arbeiten.“, „Der frühe Wurm kann mich mal!“, …

7.: Betreibe mentales Jogging zu ganz banalen Themen: Schreib z.B. 10 Möglichkeiten auf, wie du es schaffen kannst, deinen Rucksack oder deine Hose am Schulweg nicht zu verlieren. Lass all deine Ideen gelten. Je verrückter und kreativer sie sind, desto besser!

8.: Probiere mit einem Freund oder einer Freundin aus, eine Situation gedanklich total eskalieren zu lassen. Übertreibt dabei ordentlich und mit Genuss!
Zum Beispiel:  A: „Ich trinke eine Tasse Kakao.“
B: „Dabei verschütte ich die Hälfte meines Kakaos auf dem neuen weißen Teppich meiner Mutter“
A: „Ich nehme eine Schere und schneide den Fleck heraus.“
B: „In dem Moment kommt meine Mutter herein.“

9.: Versuche in stressigen Situationen einen Perspektivenwechsel zu machen, d.h. du betrachtest die Situation von außen – so, als ob sie jemand anderem passieren würde. Dadurch fällt es dir leichter das komische an der Situation zu erkennen.

10.: Spiele, tanze, lächle und hab Spaß so oft wie möglich!

Diese Tipps hat LernQuadrat aus der Studie herausgefiltert. Die Studie selbst zitiert mehrere andere Untersuchungen, auch solche, die konkrete Lerntipps für Unterricht im Allgemeinen und auch für verschieden Gegenstände, aber auch für Eltern im häuslichen Lernumfeld gibt.

Nähere Infos gibt's hier