Wer rettet den Standort von Lenzing in Heiligenkreuz?
Liebe Burgenländerinnen und Burgenländer,
und alle anderen Menschen, die im ziemlich sicher schönsten Bundesland Österreichs eine Bleibe haben ...
die angekündigte Schließung des Lenzing-Werks in Heiligenkreuz ist mehr als eine schlechte Nachricht über 320 gefährdete Arbeitsplätze. Sie berührt eine Frage: Wie viel öffentliche Unterstützung darf in den Süden fließen, wenn davon der Norden weniger profitiert?
Die Antwort liegt in der Geschichte dieses Werks. Die Ansiedlung von Lenzing war eines der Leuchtturmprojekte jener Ziel-1-Förderung, die nach dem EU-Beitritt 1995 einen Modernisierungsschub auslöste. Das gesamte Burgenland erhielt besonders hohe Förderungen, weil seine Wirtschaftsleistung unter 75 Prozent des EU-Durchschnitts lag. Gefördert wurden Betriebe, Straßen, Gewerbeparks, Tourismus und Infrastruktur – im Süden ebenso wie im stärkeren Norden.
Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Ziel-1-Status wurde für das gesamte Bundesland vergeben. Entscheidend für den niedrigen Durchschnitt war aber vor allem der wirtschaftlich schwächere Süden. Das Nordburgenland profitierte von einer Förderkulisse, die ohne das Entwicklungsgefälle kaum möglich gewesen wäre.
Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Ziel-1-Status wurde für das gesamte Bundesland vergeben. Entscheidend für den niedrigen Durchschnitt war aber vor allem der wirtschaftlich schwächere Süden. Das Nordburgenland profitierte von einer Förderkulisse, die ohne das Entwicklungsgefälle kaum möglich gewesen wäre.
Gleich zu fördern, was ungleich entwickelt ist, schafft keine Gerechtigkeit. Das Nordburgenland profitiert von der Nähe zu Wien und Bratislava, von besserer Verkehrsanbindung, Bevölkerungswachstum und einem größeren Arbeitsmarkt. Im Süden sind größere Industriebetriebe rar, die Wege länger und die Alternativen geringer. Der Verlust eines Werks hat dort ein anderes Gewicht.
Deshalb ist es verständlich und richtig, wenn das Land über eine Beteiligung nachdenkt, einen Käufer sucht und zusätzliche Mittel für das Südburgenland mobilisiert. Das ist keine Bevorzugung. Es ist der Versuch, ein historisch gewachsenes Ungleichgewicht nicht zu verschärfen.
Natürlich darf daraus kein Blankoscheck werden. Öffentliche Millionen brauchen ein tragfähiges Geschäftsmodell, klare Bedingungen und eine realistische Perspektive. Ein Werk kann nicht allein deshalb dauerhaft mit Steuergeld erhalten werden, weil es einmal ein Förderprojekt war. Aber der Staat darf Zeit kaufen, Risiken abfedern und den Übergang zu einem neuen Eigentümer ermöglichen.
Die Rettung von Lenzing ist daher auch eine Debatte über innerburgenländische Solidarität. Jahrzehntelang hat das ganze Land von der Förderwürdigkeit seiner schwächsten Region profitiert. Nun braucht diese Region Unterstützung. Wer das als ungerecht gegenüber dem Norden bezeichnet, blendet aus, auf welchem Fundament ein Teil des heutigen Wohlstands gebaut wurde.
Einen angenehmen Nachmittag wünscht Ihnen
Michael Pekovics
Teamleiter KURIER Burgenland
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