Von politischen Routinen zur harten Wirklichkeit

Besten Tag ins Burgenland!

Liebe Burgenländerinnen und Burgenländer, 
und alle anderen Menschen, die im ziemlich sicher schönsten Bundesland Österreichs eine Bleibe haben ...

Ein Jahr nach der Landtagswahl ist die politische Lage im Burgenland weitgehend sortiert. Die SPÖ verlor 2025 ihre absolute Mehrheit und holte sich die Grünen als Koalitionspartner – das ermöglichte Hans Peter Doskozil seinen „burgenländischen Weg“ weitgehend fortzusetzen. Rot-Grün versteht sich als Gegenmodell zur Bundespolitik, Doskozil bleibt in permanenter Abgrenzung nach Wien – inhaltlich wie rhetorisch.

Wenn Nachrichten keine Übergänge brauchen

Am Sonntag dann eine Nachricht, die jede politische Einordnung sprengt. Beim Grenzübergang Nickelsdorf wurde ein totes neugeborenes Mädchen gefunden. Das Obduktionsergebnis ist eindeutig: Das Baby wurde lebend geboren und unter Fremdeinwirkung getötet. Als Todesursache wurde ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Spuren vom Fundort werden ausgewertet, auch Überwachungsvideos aus dem Grenzbereich werden geprüft. Wer das Kind dort abgelegt hat, ist weiterhin unklar. Es ist eine jener Geschichten, die keine Übergänge brauchen – und dennoch lange nachwirken.

Kontrolle, Verantwortung und politische Dauerbrenner

Auch abseits dieses Falls blieb es eine intensive Woche politisch, juristisch, wirtschaftlich.
In der Justizanstalt Eisenstadt flog ein raffinierter Schmuggelversuch auf: Zwei Mobiltelefone und eine Smartwatch waren in Schuhsohlen versteckt und sollten als Paket an einen Häftling gelangen. Entdeckt wurden sie dank routinemäßiger Röntgenkontrollen. Beschlagnahmt wurde nicht nur Technik – auch selbst gebastelte Tätowiermaschinen oder sogenannter „Knastwein“ beschäftigen die Beamten regelmäßig. Kontrolle ist hier Alltag, nicht Ausnahme.

Politisch bleibt der Blick weiter auf die „Neue Eisenstädter“ gerichtet. Im laufenden Untersuchungsausschuss will die Opposition den Untersuchungszeitraum ausweiten und auch die kurz vor Weihnachten erfolgte Übernahme der Wohnbaugesellschaft durch das Land einbeziehen. Die rot-grüne Mehrheit lehnt das ab, betont aber: Doskozil wird im U-Ausschuss Rede und Antwort stehen. Ob es am Ende mehr Aufklärung oder mehr politische Inszenierung wird, bleibt offen.

Parallel dazu treibt das Land ein weiteres Großprojekt voran: den Verkauf aushaftender Wohnbauförderungsdarlehen. Eigentümer können mit Abschlägen vorzeitig zurückzahlen, in einem nächsten Schritt sollen auch Mieterinnen und Mieter profitieren. Kritiker warnen vor langfristigen Folgen für leistbares Wohnen, die Landesregierung verweist auf dringend benötigte Mittel – vor allem für den Gesundheitsbereich.

Zwischen Schulden und Sehnsucht

Wie fragil regionale Fixpunkte sein können, zeigt ein Blick nach Deutschkreutz. Dort steht eine beliebte Vinothek vor der Insolvenz. Rund 300.000 Euro Schulden, leere Regale, Schweigen vom Betreiberverein. Ein Rettungsversuch läuft, doch die Zeit drängt. Für viele ist die Vinothek mehr als ein Verkaufsraum – sie ist Teil der Identität des Blaufränkischlands.

Einen völlig anderen Blick auf die Welt hat Edwin Schmidt. Der Mittelburgenländer ist seit 2018 mit dem Fahrrad unterwegs, inzwischen über 100.000 Kilometer. Aktuell radelt er entlang der Ostküste Afrikas – vorbei an Wildtieren, politischen Unruhen, Sprachbarrieren und Ersatzteilmangel. Improvisation gehört zum Alltag, Aufgeben offenbar nicht. Während daheim über Schulden, Zuständigkeiten und politische Verfahren gestritten wird, tritt Schmidt einfach weiter in die Pedale.

Diese Woche hat gezeigt, wie breit Realität sein kann – von politischer Routine über erschütternde Tragödien bis hin zu Geschichten, die den Blick wieder öffnen.


Ein angenehmes Wochenende und einen guten Start 
in die nächste Woche wünscht Ihnen

Johanna Worel
KURIER Burgenland


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