Freibäder: Eintauchen & abtauchen

Ob Neubau oder Modernisierung: Freibäder punkten mit zeitgenössischer Architektur. Das zeigen fünf Beispiele – von Vorarlberg bis Oberösterreich.
Ein Holzsteg führt zu einem Gebäude auf Stelzen im Wasser.

Pommes, Eis und Wasserrutschen: Österreich startet in die Freibad-Saison. Vielerorts erfrischt aber nicht nur das kühle Nass, sondern auch eine innovative architektonische Gestaltung.

In Pürgg etwa. Der kleine Ort im Ennstal liegt auf einer Seehöhe von 645 Metern – das Naturbad noch etwas höher. Das macht es besonders. Von oben genießt man Ausblicke auf den Grimming und die Ortschaft. Der Altbestand, der wegen des schlechten Zustands abgerissen werden musste, war hinter einer Hecke versteckt. Jetzt liegt das neue Gebäude frei und fügt sich dezent in die Landschaft, ohne wuchtig zu wirken. Durch den Umbau wurde es offener. Das trifft auch auf die Eingangssituation zu: Es gibt kein Drehkreuz und keine Schranken. Gäste können frei eintreten, bezahlt wird beim Bademeister.

Eine Holzterrasse mit Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen vor einem modernen Gebäude.

pürgg
Ein helles Restaurant mit Holzboden und Blick auf eine grüne Landschaft mit Bergen.

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Ein Schwimmbad mit Wasserfall vor einem modernen Holzgebäude mit Restaurantbereich.

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Ein Kind mit Taucherbrille hält einen bunten Wasserball im Schwimmbad.

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Ein Schwimmbad mit einem gelb-weißen Ball und einem Berg im Hintergrund.

Naturbad Pürgg in der Obersteiermark: Die Holz­verkleidung umklammert Gebäude und Becken.
Ein beleuchtetes Holzgebäude mit Pool in der Abenddämmerung.

Naturbad Pürgg in der Obersteiermark: Die Holz­verkleidung umklammert Gebäude und Becken.

Drei Becken gibt es in Pürgg: Ein Planschbecken, ein Nichtschwimmer- und ein Sportbecken. Verbunden sind sie durch einen Holzsteg. Er führt die Besucher unmittelbar von der Straße kommend über die Umkleidekabinen, Sanitärbereiche und über die Aussichtsterrasse zu den Becken.

Der Übergang vom erhöhten Restaurant bis zum Tiefwasserbereich ist fließend. Das Bad wirkt wie aus einem Guss: Alle Wege laufen ins Gebäude. "Das einfache und reduzierte Design mit hoher architektonischer Qualität, das auf die wunderbare Landschaft Rücksicht nimmt" lautete das Urteil der Jury, die das Bad im vergangenen Jahr als einziges Österreichisches Projekt mit dem IOC/IAKS-Award – dem einzigen internationalen Architekturpreis für Sportstätten – ausgezeichnet hat.

Ein modernes Gebäude mit Betonwänden und einer Fassade aus Glas und Metalllamellen.

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Zwei Mädchen rennen vor einem Gebäude mit Holzwänden und einem begrünten Vorplatz.

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Ein Mann mit Brille und gestreiftem Hemd vor einem weißen Hintergrund.

Bernhard Stoehr, Architekturbüro Besto ZT GmbH
Das Jenbacher Terrassenbad vor einer Bergkulisse.

Schwimmbad in Jenbach (Tirol)
Ein älterer Mann schiebt einen Kinderwagen an einem sonnigen Tag durch ein Freibad.

Schwimmbad in Jenbach (Tirol)
Ein modernes Gebäude mit einer Fassade aus Beton und einem schwarzen Lamellenzaun vor einer Bergkulisse.

Schwimmbad in Jenbach (Tirol)
Ein modernes Gebäude mit Beton- und Holzelementen und Treppenaufgang.

Schwimmbad in Jenbach (Tirol)
Ein Mann mit Helm geht eine Rampe zu einem modernen Gebäude hinauf.

Schwimmbad in Jenbach (Tirol)

Im Restaurant finden Hochzeiten und Generalversammlungen, Taufen oder Konzerte statt. "Schön ist, dass wir es mit der Architektur geschafft haben, das gesellschaftliche Leben in das Bad zu integrieren", sagt Gerhard Kreiner. Der Planer von KREINERarchitektur hat nicht nur das Naturbad Pürgg aus dem Dornröschenschlaft geweckt, sondern auch in Gröbming ein Moorbad in ein Familienbad verwandelt, das zum Aushängeschild für moderne Freibad-Architektur wurde.

Trotz Renovierung in den 1970er-Jahren war die Anlage 2010 in einem schlechten Zustand. Außerdem gab es keine Kantine. Die Anlage verfügt nun über ein Restaurant und einen Wellnessbereich. Das Freibad ist nur im Sommer geöffnet, die Sauna samt Whirlpool kann auch im Winter genutzt werden. Sie liegt innen und hat einen geschützten Außenraum. Eine Verkleidung aus Holzlamellen schützt vor Einblicken.

Das Schwimmbad befindet sich in einer Hanglage, der sich das neue Gebäude anpassen sollte. Das flache Satteldach orientiert sich an der Landschaftsform und bildet mit dem gegenüberliegenden Hügel eine Arena. In der Mitte sind die Becken eingelassen. Auf dem Hang ist eine breite Rutsche verlegt und der drei Meter hohe Sprungturm wächst brückenartig aus der Landschaft.

Ein Schwimmbadkomplex mit mehreren Pools und einem modernen Holzgebäude vor einer Bergkulisse.

Panoramabad Gröbming
Ein Schwimmbad mit Sprungblöcken und Duschen im Freien vor einer Bergkulisse.

Panoramabad Gröbming
Ein modernes Gebäude mit Holzelementen und Blick auf eine Kirche und einen Berg.

Panoramabad Gröbming
Ein modernes Gebäude mit Holzfassade und einem Kirchturm im Hintergrund.

Panoramabad Gröbming in der Steiermark
Ein Innenraum mit einem Whirlpool und mehreren Liegestühlen vor großen Fenstern.

Panoramabad Gröbming in der Steiermark
Innenansicht eines Wellnessbereichs mit Liegen, Pflanzen und einem kleinen Pool.

Panoramabad Gröbming in der Steiermark
Ein Holzsteg führt zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Berge.

Panoramabad Gröbming in der Steiermark
Ein Schwimmbad mit Wasserrutsche vor einer Bergkulisse.

Panoramabad Gröbming in der Steiermark

Im Westen des Landes, in Vorarlberg, ist eine Badeanlage im Bodensee entstanden. In Lochau haben Schwärzler + Lang Architekten ein Badehaus auf Betonpfeilern errichtet. Zwar gehört es zum Seehotel Kaiserstrand, kann aber von jedem besucht werden – solange Platz ist: "Das Badehaus ist zur touristischen Attraktion geworden und immer sehr gut besucht", sagt Karl Schwärzler. Warum sich das Badehaus großer Beliebtheit erfreut, erklärt der Architekt so: "Zum einen ist die Fassade besonders. Sie lässt sich verändern. Sobald die Läden offen sind weiß jeder, dass Betrieb herrscht und der Ansturm beginnt. Zum Zweiten sitzt man auf dem Sonnendeck wie auf einem Schiff umringt von Wasser und hat einen Blick nach Bregenz und in die Berge."

Die Fassade besteht aus zwei Teilen: Glasflächen im Inneren, davor "Fensterläden" aus Holzlamellen. Beide Elemente können geöffnet werden. Durch den Gang dazwischen kann man das Gebäude umrunden, muss es also nicht betreten. Erreicht wird das Badehaus über einen Steg. Er führt vom Ufer durch das Restaurant bis nach vorne zur Terrasse. Zum Sonnenbaden führt eine Treppe nach oben auf das Dach.

Ein Holzgebäude auf Stelzen über dem Wasser, mit Menschen, die ins Wasser gehen.

Badehaus Lochau, Vorarlberg
Ein Holzgebäude auf Stelzen im Wasser mit Sonnenschirmen auf dem Dach.

Badehaus Lochau, Vorarlberg
Ein Holzgebäude am Wasser mit Blick auf einen See und einen Bootssteg.

Badehaus Lochau, Vorarlberg
Zwei Männer stehen nebeneinander, einer trägt ein Cordjackett.

Badehaus Lochau, Vorarlberg
Ein Restaurant mit Terrasse am See mit Gästen und Blick auf Segelboote.

Badehaus Lochau, Vorarlberg

Historischen Altbestand retten lautete die Aufgabe in Steyr. Die "Schwimmschule" gibt es seit 1874, beim Hochwasser 2001 wurde das Bad stark beschädigt. Seither renoviert das Architekturbüro Luger & Maul in Etappen, 2013 ist die Fertigstellung geplant. Eingang, Kassa, Umkleiden und Kabinen wurden zuerst neu gestaltet. 2008 kamen die Emporen hinzu, die als Sonnenterrassen dienen. Für alle Arbeiten wurde Lärchenholz verwendet. Das Massivgebäude, in dem der Bademeister wohnt, wurde trockengelegt und im Originalton gestrichen. Im letzten Schritt werden das Buffet und das große Becken saniert. Die Betonplatten darin werden durch eine Folie ersetzt. Befüllt wird es mit Brunnenwasser. Außer bei extremer Hitze ist es frei von chemischen Mitteln.

Ob Sanierung oder Neubau: Schwimmbadgestaltung heißt mehr, als ein Becken im Boden einzulassen. Die Anlage muss allen Besuchern gerecht werden: Teenagern, die am Beckenrand ihre erste Liebe entdecken oder Kindern, die ihre ersten Schwimmversuche machen.

Ein Holzgebäude mit Treppe steht an einem Schwimmbecken.

Schwimmschule Steyr, OÖ
Ein moderner Holzbau mit Glasfront und überdachtem Außenbereich.

Schwimmschule Steyr, OÖ
Ein Schwimmbad mit Umkleidekabinen und einem roten Gebäude im Hintergrund.

Schwimmschule Steyr, OÖ
Eine öffentliche Toilette mit Holztüren und einem Holzdach.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Ein Schwimmbad mit einem roten Gebäude und Wohnhäusern im Hintergrund.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Das Schwimmbad wird im ruhigen Wasser gespiegelt.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Ein modernes Gebäude mit Holzverkleidung, Glasfronten und einem hellen, offenen Innenraum.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Ein Freibad mit hölzernen Aufbauten an einem sonnigen Tag.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Ein Flur mit Schließfächern und Holzbänken unter einer Holzdecke.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich
Ein Freibad mit klarem Wasser und hölzernen Elementen an einem sonnigen Tag.

Schwimmschule Steyr in Oberösterreich

Interview: Gerhard Kreiner über die Herausforderung und den Reiz beim Bau einer Badeanlage

Ein lächelnder Mann mit lockigem Haar in Schwarzweiß.

IMMO: Welche Materialien werden heute verwendet und welche Vorzüge haben sie?

Kreiner: Bis in den letzten Jahrzehnten Waschbetonplatten überhand genommen haben, war Holz im Schwimmbadbau verbreitet. Darauf greift man heute wieder zurück. Der Vorteil ist: Es trocknet schnell, ist immer warm, wird aber nie zu heiß. Und es kann als Liegefläche verwendet werden.

Wie groß ist der Gestaltungsspielraum bei Wasserbecken?

Das Verhältnis der Bädertechnik zur Wasserfläche muss stimmen. Seicht-, Schwimm-, und Sprungbereiche müssen optimal abgestimmt sein. Ist das Areal zu weitläufig und schlecht organisiert, braucht man mehr Wasser und Technik. Außerdem wird heute die Wasserfläche inszeniert: Früher war sie fünf Zentimeter unter dem Beckenrand, heute springt das Becken zirka fünf Zentimeter über den Umlauf. Man erhält eine Wasserkante, die eben mit der Landschaft ist.

Teenager, Mütter oder Senioren: Ein Freibad wird von vielen besucht. Wie berücksichtigt man einzelne Bedürfnisse?

Man muss sich gut überlegen welche Bereiche für wen definiert werden. Gastronomie funktioniert etwa gut neben dem Kinderbereich, damit Mütter Kaffee trinken können und die Kleinen im Blick haben. Rutschen oder Sprungtürme muss man so platzieren, dass keine Gefahren für andere besteht. Liegeflächen im Schatten werden eher von der älteren Generation genutzt, die Ruhe haben möchten. Für Jugendliche braucht es ebenfalls Rückzugsbereiche – sie liegen ungern neben dem Planschbecken.

Sie haben bereits fünf Bäder gestaltet. Was ist reizvoll an dieser Aufgabe?

Sie ist komplex und die Anforderungsprofile sind vielfältig. Man braucht viel Zeit für die Erarbeitung eines Entwurfs, der in Kooperation mit den Bürgern und der Gemeinde entsteht. Das schafft eine hohe Akzeptanz und macht den Spaß an der Sache aus.

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