Der letzte Wiener Zeuge, das erste Salzburger Jubiläum
Zu Osterzeit passierte immer wieder Fußball-Historisches.
über alte Fußball-Zeiten
Der erste Wettskandal, das letzte Match im Krieg. Zu Osterzeit passierte immer wieder Fußball-Historisches. Und am Ostermontag feiert Österreichs jüngster (und reichster Klub) Jubiläum.
Vor 100 Jahren ...
... flog in Manchester der erste Wettbetrug auf. Passiert am 2. April 1915 in Manchester, wo das Spiel United – Liverpool mit genau jenem Resultat (2:0 ) endete, auf das Manchester-Spieler Geld gesetzt hatten. Sie wurde ebenso wie drei Liverpool-Fußballer lebenslänglich gesperrt und erst 1945 begnadigt. Mittlerweile sind die Strafe milder, doch die Betrügereien im Sport ungleich mehr geworden. Der Computer macht grenzüberschreitenden Wettbetrug möglich. Der ehemalige ÖFB-Boss Friedrich Stickler wird jedenfalls kaum übertreiben, wenn er als Präsident der europäischen Lotterien nicht müde wird mit der Warnung, wonach Matchfixing für den Sport bereits eine noch größere Gefahr als Doping sei.
Die Wettmafia ködert mit immer dreisteren Angeboten. So konnte am vergangenen Gründonnerstag und zufällig wieder an einem 2. April, sogar auf das Wiener Unterliga-Trainingsspiel ASV 13 – Rapid Oberlaa (Endstand 10:1) gesetzt werden. Fehlt nur noch, dass ein KURIER-Redaktionsmatch in asiatische Wettangebote rutscht, wenn der dritte Stock gegen den vierten kickt.
Vor 70 Jahren ...
... wurde ein letztes Mal vor Kriegsende im Wien um Punkte gespielt. Und das, obwohl der Himmel vor dem südöstlichen Stadtrand schon rot gefärbt war vom Granatfeuer. Termin: Der Ostersonntag 1945. Schauplatz: Der WAC-Platz im Prater. Resultat: WAC – Austria 6:0. "Das Publikum bildeten Kriegsverwundete und Frauen", erinnert sich Otto Fodrek, der als WAC-Spieler das Idol von späteren Mundl-Autor Ernst Hinterberger war. Fodrek rannte im Sirenengeheul zurück über den Donaukanal heim in die Rueppgasse. Dort wohnt der letzte lebende Zeitzeuge immer noch bescheiden auf 65 Quadratmetern. Und dort hat der bald 94-Jährige immer noch alle Bücher, Zeitungsausschnitte und Widmungen feinsäuberlich aufbewahrt. Darunter auch ein 28-zeiliges Dankschreiben von Bundespräsident Heinz Fischer, dessen Fitnesscoach Fodrek lange Zeit war.
Vor 10 Jahren ...
... wurde Salzburgs Klubfußball vor der Auflösung gerettet, indem Dosen-Milliardär Dietrich Mateschitz die Salzburger Austria übernahm, zum FC Red Bull umtaufen und nicht mehr in Violett, sondern in Rot-Weiß einlaufen ließ. Gegner von Kommerzkick verweisen genüsslich darauf, dass sieben Mal die Champions League verpasst wurde. Aber RB bescherte Salzburg auch attraktive Europa-League-Siege. Und nicht nur aus Höflichkeit gegenüber dem Jubilar sei festgestellt, dass Mateschitz in Salzburg eine der besten Jugend-Akademien Europas entstehen ließ. Aus ihr kommen bereits 37 Spieler der ÖFB-Nachwuchsauswahlen.
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