Fliegen und siegen

Wolfgang Winheim

Das ist kein makabres Inserat vom neuen ÖFB-Sponsor AUA, sondern statistisch belegbar

von Wolfgang Winheim

über die Flugmeilen von Spitzensportlern

Die Nationalelf düst heute in einer 70-sitzigen Austrian zum Qualifikationsmatch gegen Liechtenstein. Anders als zu früheren Zeiten plagt kein aktuelles Teammitglied Flugangst. Zumindest redet niemand drüber.

Der letzte Spieler, der zugab, dass er festen Boden unter seinen Millionen-Beinen brauche, war just der, der die meisten Länderspiele bestritt. Und der mittlerweile die meisten Flug-Meilen aller Fußball-Österreicher abgesessen hat: Andreas Herzog, seit Jänner auch Chef der US-Olympia-Auswahl, unterdrückt mulmige Gefühle, indem er an Bord eine Schlaftablette schluckt.

Albträume soll so mancher in der ehemaligen Sowjetunion engagierte Legionär bekommen haben, als es hieß, dass es in post-kommunistischen Ländern mit der Wartung nicht so genau genommen werde. Schon deshalb kam für Josef Hickersberger ein Wechsel in den Osten nie infrage, auch wenn dort noch so der Rubel rollt. Kiew-Legionär Aleksandar Dragovic erlebte seine einzige Notlandung allerdings nicht in einem ukrainischen Flugzeug, sondern als er sich 2013 mit dem FC Basel auf dem Luftweg nach St. Petersburg befand. Sein ägyptischer Mitspieler Mohamed Elneny hatte einen Kreislaufkollaps erlitten.

Ohne Flugzeug wäre ein internationaler Sportbetrieb nicht mehr möglich. Selbst nationale Meisterschaften werden zur Jet-Partie. So war Martin Stranzl (mittlerweile Mönchengladbach) mit Spartak Moskau nach Wladiwostok (mittlerweile zweite Liga) neun Stunden unterwegs. Und so müssen die kanarischen Profiklubs CD Tenerife und Las Palmas ebenso wie Cristiano Ronaldos portugiesischer Stammverein Nacional Funchal an jedem zweiten Wochenende zwei Stunden Richtung Festland fliegen. Nach der jüngsten Tragödie werden Inselklubs sensible Kicker mit dem Argument beruhigen, wonach Fliegen noch immer das sicherste Reisemittel sei.

In Deutschland kamen 2014 mit dem Auto drei Mal mehr Menschen ums Leben als auf der ganzen Welt mit dem Flugzeug.

Das ist kein makabres Inserat vom neuen ÖFB-Sponsor AUA, sondern statistisch belegbar.

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