Aufstand gegen Design-Bau

Gründerzeithaus steht vor Abriss: Konkurrenz für Volkertmarkt wird befürchtet.
Eine Gruppe von Menschen demonstriert mit einem Banner gegen den Abriss eines Gebäudes in der Taborstraße 81-83.

Wir fürchten, dass mit dem Bagger Fakten geschaffen werden", sagt Christian Schrötter von der Bürgerinitiative "Abrissstopp Taborstraße 81–83". Denn an Stelle eines gründerzeitlichen Zwillingshauses an besagter Adresse, sollen 36 hochwertige Wohnungen und wahrscheinlich auch ein Supermarkt entstehen – und zwar "im neuen Stadthausstil". Ein "klassischer, zeitloser Nachfolger des Gründerzeithauses" schwebt den Projektentwicklern vor. Die Anrainer-Vertreter sprechen stattdessen von einer "08/15-Fassade" und der "Zerstörung des Ortsbildes". Sie sammelten bereits 600 Unterschriften gegen das Vorhaben.

Die Nachbarn sind aber nicht die einzigen Kritiker des "T-QUARTIER", wie das Projekt der Firma "Vestwerk" heißen soll. Die Geschäftsleute auf dem nahen Volkertmarkt fürchten den Supermarkt als übermächtige Konkurrenz im Kampf um die Kundengunst.

Kein Ensembleschutz

Zurzeit ist der mittlerweile leer stehende ehemalige Hauptsitz der Reinigungsfirma Simacek keine besondere Zier für die Taborstraße. Die Anrainer würden sich statt des Abrisses eine Sanierung der historischen Fassade wünschen. Doch da das Gebäude weder unter Denkmal-, noch unter Ensembleschutz steht, dürften sie auf verlorenem Posten stehen.

Um die Situation dennoch zu beruhigen, lud Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SP) Bürgerinitiative und Bauwerber am Donnerstagabend zu einem Treffen ein. Dort wurde zwar emotional debattiert – eine Lösung, mit der alle zufrieden sind, liegt aber noch nicht auf dem Tisch.

Vestwerk-Geschäftsführer Klaus Molisch zeigt sich zwar prinzipiell gesprächsbereit – und zieht auch weitere optische Varianten in Betracht, "um die alten Stuckaturen möglichst in die neue Fassade aufzunehmen".

Punkto Supermarkt stellt er aber klar: "Die Bauordnung sieht hier eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoß vor." Eine der großen Ketten sei als langfristiger Partner mit der notwendigen Bonität die erste Wahl.

Die Sorge um den Volkertmarkt teilt aber auch Hora. "Denn zum einen haben wir bereits genug Supermärkte in der Gegend. Und zum anderen gräbt man dem Markt das Wasser ab."

Das sehen Anton, Darko und Dragan Dogo, die am Volkertmarkt einen Gemüsestand, eine Bäckerei und ein kroatisches Delikatessengeschäft betreiben, genauso. "Es ist schon jetzt wenig los, aber ein Supermarkt würde uns noch die letzten Kunden wegnehmen."

Weitere Mediationsgespräche sollen folgen.

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