Buchstaben der Stadt

Roland Hörmann und Birgit Ecker sammeln historische Schriftzüge und retten sie vor dem Verschwinden.
Eine lachende Frau und ein lachender Mann stehen vor einer leuchtenden Dekoration.

Es begann mit „Fußpflege“, einem Schriftzug, den Roland Hörmann vor vier Jahren aus einem Baustellencontainer am Wiener Brunnenmarkt zog. Was anfangs als Dekoration für die Wohnung gedacht war, entwickelte sich schnell zum Projekt. Der 37-jährige Grafiker gründete mit seiner Freundin Birgit Ecker vor zwei Jahren den Verein Stadtschrift, „weil wir Buchstaben mögen und historische Fassadenschriften vor dem Verschwinden bewahren möchten“, erklärt Ecker im KURIER-Gespräch.

Mühsame Suche

Die ersten Buchstaben lagerten Ecker und Hörmann noch in der Wohnung. Mittlerweile mussten Lagerflächen angemietet werden. Laut Hörmann sei das aber erst der Anfang: „Der Ehrgeiz steigt – es ist ärgerlich, wenn man zu spät kommt und die Schrift weg ist.“ Die Suche nach verwertbaren Fassadenbeschriftungen ist mühsam, zeitaufwendig und hängt oft vom Zufall ab. Damit sich das ändert, baut der Verein ein Netzwerk auf, das ihn künftig mit Informationen versorgt. Erhalten die beiden einen Hinweis, muss es schnell gehen: Besitzer ausfindig machen, Abtransport vorbereiten. Unterstützung erhalten sie von Freunden: „Ohne deren Hilfe wäre das Ganze nicht machbar“, sagt Ecker. Rund 50 Schriftzüge hat man bereits zusammengetragen. Ein Teil davon wird nun im „Treffpunkt Lerchenfeld“ (Lerchenfelder Straße 141, 1070 Wien) ausgestellt.

Taubendreck

Der älteste Schriftzug stammt aus dem Jahr 1918 und wurde von einem Café in Wien Simmering geerbt, deren 81-jährige Besitzerin heuer in Pension ging. „Das Herzstück der Ausstellung ist Elektro“, sagt Hörmann und blickt in Richtung Neonschrift. Rund 50 Jahre hing „Elektro“ über einem Geschäftslokal in der Ottakringer Hasnerstraße. „Wir haben zwei Tage dafür gebraucht, um die verrosteten Schrauben zu lösen. Ohne Flex würden wir heute noch am Gerüst stehen“, berichtet Hörmann. Für die Ausstellung wurden die Buchstaben gründlich gereinigt: Feinstaub und Taubendreck haben den Schriftzügen ziemlich zugesetzt. Erneuert werden sie aber nicht, denn man soll ihnen die Geschichte ruhig ansehen. Für Ecker sollten die Schriften ohnehin dort bleiben, wo sie hingehören – auf die Fassade. Denn: „Sie geben der Stadt ihre Identität.“

INFO: „Stadtschrift – Ausgelesene Wiener Schriftzüge“– bis 31. Jänner im „Treffpunkt Lerchenfeld“ (Lerchenfelder Straße 141). Di.: 10–12.30 Uhr; Mi.:15–19 Uhr; Do.:10–17 Uhr.

Bilder zur Ausstellung

Ein Ausstellungsraum mit alten Leuchtreklamen und Schriftzügen an den Wänden.

Verein Stadtschrift
Eine lachende Frau und ein lachender Mann stehen vor einem beleuchteten Logo.

Kopie von Verein Stadtschrift
Der Schriftzug „JUWEL“ aus roten und weißen Buchstaben an einer Wand.

Verein Stadtschrift
Nahaufnahme von weißen Buchstaben mit grünen Rändern, die ein Wort bilden.

Verein Stadtschrift
Die Schriftzüge „thalía“ und „4Máriandl“ hängen an einer Wand.

Verein Stadtschrift
Ein Ausstellungsraum mit verschiedenen Leuchtreklamen und Buchstaben an den Wänden.

Verein Stadtschrift
Verschiedene Schriftzüge, darunter „Autoradio“, „Elektro“, „Boutique“ und „Blumen“.

Verein Stadtschrift
Detailaufnahme von übereinander gestapelten Gewichten mit gebogenen Metallgriffen.

Verein Stadtschrift
Mehrere übereinanderliegende, unterschiedlich geformte Buchstaben aus Metall.

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Mehrere Vintage-Buchstaben und eine Lampenleiste an einer Wand.

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Mehrere Leuchtreklamen mit den Aufschriften „Fußpflege“, „Weinhaus“, „Bauernstuben“ und „fraenkel“ an einer Wand.

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Ein leuchtendes Neon-Schild mit der Aufschrift „CABU“ an einer Wand.

Verein Stadtschrift
Vier Schilder mit Fotos von alten Geschäften in Wien, darunter „Fußpflege“ und „fraenkel“.

Verein Stadtschrift
Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Wand mit bunten Buchstaben und einem Leuchtschild.

Verein Stadtschrift

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