© APA/AFP/ANTHONY WALLACE / ANTHONY WALLACE

Gesund
01/08/2019

Gen-Baby: Chinesischem Forscher droht die Todesstrafe

He Jiankui wird angeblich von der Regierung in einer Wohnung festgehalten und bewacht. Er könnte wegen seiner Experimente angeklagt werden.

Es ging wie ein Lauffeuer durch die Welt: Der chinesische Forscher He Jiankui von der Universität Schenzen hatte Ende November 2018 in einem Youtube-Video erklärt, dass er erstmals Babys genetisch veränderte. Im Unterschied zu bisherigen Gentech-Experimenten mit menschlichem Material wurden zwei Zwillingsmädchen allerdings auch geboren. Lulu und Nana seien laut dem chinesischen Forscher ganz normale Babys – sie seien gentechnisch jedoch so verändert worden, dass sie sich nicht mit HIV anstecken könnten. Nach eigenen Angaben verwendete Jiankui die CRISPR/Cas9-Gen-Schere.

Aus Sicht des Wissenschaftlers sei dies ein Fortschritt, in der internationalen Fachwelt kam es jedoch zu einem Aufschrei. Als "verrückt" und "unethisch" wurden die Experimente bezeichnet. Der renommierte österreichische Genetiker Markus Hengstschläger sprach von einem "Tabubruch".

Behörden schritten ein

Auch die chinesischen Behörden schritten ein und ordneten eine "unverzügliche Untersuchung an". Jetzt wurde bekannt, dass He Jiankui offenbar von der chinesischen Regierung festgehalten wird. Das behauptet zumindest ein britischer Wissenschaftler gegenüber dem britischen Telegraph. Er hatte früher Kontakt mit dem chinesischen Kollegen und habe jetzt erfahren, dass dieser in einer Wohnung festgehalten werde. Der britische Genetiker Robin Lovell-Badge vom Francis Crick Institute in London sei besorgt, dass He Jiankui die Todesstrafe drohe – wegen Korruption und Bestechungsgeldern.

Seit einem Monat vermisst

Seit Anfang Dezember werde der Chinese vermisst. Dem Bericht zufolge lebt er unter bewaffneter Bewachung in einer staatlichen Wohnung in Shenzen, wo er zuvor an der Universität geforscht hat. Korruption und Bestechung stehen deshalb im Raum, da He Jiankui die Experimente nicht alleine durchgeführt haben kann und ihm möglicherweise vorgeworfen wird, dass er Mitarbeiter mit finanziellen Anreizen dazu verleitete. Außerdem habe er möglicherweise gegen geltende Forschungsrichtlinien verstoßen. Laut Telegraph hätten stattliche Richtlinien in China dasselbe Gewicht wie etablierte Gesetze.

Offizielle Untersuchung

"Es gibt eine offizielle Untersuchung, die von den Ministerien für Wissenschaft und Gesundheit geleitet wird", sagte Lovell-Badge dem Telegraph. "Viele Leute werden wahrscheinlich ihren Job verlieren, er war offensichtlich nicht der einzige, der daran beteiligt war. Wie hat er sie dazu gebracht, diese ganze Arbeit zu erledigen? Er könnte wegen aller Arten von Korruption angeklagt werden.“

Eine andere Variante der Geschichte könnte sein, dass He Jiankui in dem Apartment bewacht wird, da er Morddrohungen erhalten hat. Es ist nicht klar, ob es sich tatsächlich um Hausarrest handelt oder ob er von den Wachen beschützt werden soll.