Genuss
13.09.2018

Oktoberfest und Wiener Wiesn: So schmeckt Bier am besten

Krügel oder Tulpe, dünn oder dick: Warum es nicht egal ist, aus welchem Glas der Gerstensaft getrunken wird.

Im Herbst locken Zeltfeste, Oktoberfeste und auch das Wiener Pendant "Wiener Wies'n" ganze Scharen von Bierfreunden an. Doch wonach Bier schmeckt, hängt nicht nur vom Gehalt von Hopfen, Malz und der Qualität des verwendeten Wassers ab. Der Gerstensaft schmeckt je nach Glas anders: Gute Gläser sind dünn. Ihre optimale Form hängt allerdings von der Art des Bieres und seines Geschmacks ab. "Die Glasform hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Geschmack", erklärt Markus Raupach, Biersommelier und Gründer der Deutschen Bierakademie in Bamberg. Das könne jeder selbst ausprobieren, indem er ein Bier aus einer Pilsstange und einem Rotweinglas kostet. "Es wird ihm vorkommen wie zwei verschiedene Getränke."

Es gibt unzählige Arten von Biergläsern. Die Anforderungen: Aromen sollen sich perfekt entfalten und die Schaumbildung soll gefördert werden. In Österreich und Deutschland wird dabei großer Wert darauf gelegt, dass sich Schaum gut bilden kann. Ein Tipp: Es schmeckt besser, wenn zwischen Schaum und Glasrand noch ein bis zwei Zentimeter Platz sind.

Bierkrug ist zu dick

Der Bierkrug ist ein altherbrachter Klassiker, aber: Wer kann, sollte den echten Bierkrug vermeiden. Solche Krüge eignen sich - zumindest aus kulinarischer Sicht - überhaupt nicht zum Biertrinken, ist man sich in der Fachwelt einig. Das schnelle In-die-Kehle-leeren bringe einen um den Genuss. Und: Das Bier wird wegen der Dicke des Glases schnell warm. Gute Gläser sind dünn, weil so die Temperatur des Getränks besser gehalten wird.

Lichtdurchlässiges Glas

Ein hochwertiges Bierglas sollte aus einem sehr lichtdurchlässigen und neutralen Kristallglas sein - das Bier sieht darin ganz anders aus als in günstigeren Gläsern, die meist einen Blaustich haben.

Die Qualität zeigt sich auch an einem dünnen und glatten Glas. So bleibt das Getränk kühl sowie voller Kohlensäure und Aromastoffe.

Glatter Gefäßrand

Außerdem ist der obere Gefäßrand am besten glatt und nicht - wie bei weniger hochwertigen Produkten - gerollt. "Dieser Rollrand ist wie eine Sprungschanze für das Getränk", erklärt Sandra Ganzenmüller vom österreichischen Verband der Diplom Biersommeliers. Das Bier kommt so erst im hinteren Teil des Mundes an und kann dort keinen runden Geschmack mehr entwickeln. Gute Gläser haben daher einen geschliffenen Rand. Hier wird nichts verwirbelt, das Getränk läuft schön vorne in den Mund hinein.

Verschiedene Formen für verschiedene Biere

Um allen Biersorten gerecht zu werden, sollte ein Bierliebhaber verschiedene Glasformen im Schrank haben. Darin entfalten sich die Aromen anders. "Mit vier verschiedenen Formen wäre ein Endverbraucher gut ausgerüstet", findet Ganzenmüller. So sollten hopfenbetonte Biere in Gläsern mit einem recht großen Durchmesser kredenzt werden. Denn im Hopfen stecken starke Aromen, die sich beim Eingießen schnell verflüchtigen. Je größer die Oberfläche des Getränks im Glas also ist, desto besser für den Geschmack.

Bauchiges Glas für malzbetonte Biere

Für malzbetonte Biere ist dagegen ein bauchiges Glas ideal, das sich nach oben verjüngt, erklärt Ganzenmüller. Hier können sich die Aromen gut ausbreiten. Biere mit Hefearomen wie das Weißbier sollten aus großen, leicht bauchigen Gläsern getrunken werden. Hier kommen die fruchtigen Aromen wie Apfel, Mango oder Banane besonders gut zur Geltung, da sie sich entfalten können. Daher ist das typische bayerische Weißbierglas für den Genuss völlig ungeeignet.

Und die vierte Form? Die sollte ein Alleskönner sein, um mehreren Bieren gerecht zu werden. Aus einem Qualitätsglas schmeckt es jedenfalls besser. Zur Not, sehen es die Experten pragmatisch, kann Bier aber auch aus einem Weinglas oder einem Becherglas getrunken werden.