Genuss
04.12.2018

Konsumverhalten: Dosen-Thunfisch wegen Millennials in der Krise?

Einem Branchenexperten zufolge sei die Abneigung der Generation Y für Dosenöffner maßgeblich dafür verantwortlich.

Ein kürzlich im Wall Street Journal erschienener Artikel sorgt bei der Leserschaft für Stirnrunzeln: Thematisiert wird darin die Tatsache, dass der Markt für Dosen-Thunfisch seit geraumer Zeit in der Krise steckt.

Dosenöffner sind "out"

Als mögliche Erklärung für die sinkenden Absatzzahlen nennt Andy Mecs, seines Zeichens Vizepräsident der Marketing- und Innovationsabteilung bei StarKist (US-Thunfischmarke, Anm.), dass der Großteil der Millennials (Menschen, die im Zeitraum der frühen 1980er bis frühen 2000er Jahre geboren wurden, Anm.) den Bezug zu Dosenöffnern verloren hätten. "Viele Millennials besitzen gar keine Dosenöffner mehr", betont Mecs im Interview mit der Tageszeitung.

Dosen-Krise

Tatsächlich scheint Thunfisch aus der Dose vor allem bei jüngeren Menschen nicht mehr ganz so gut anzukommen. So fand etwa das Marktforschungsunternehmen Mintel bei Befragungen in den USA heraus, dass nur 32 Prozent aller erwachsenen Konsumenten unter 35 kürzlich Fisch oder Schalentiere in Dosen gekauft hatten. Bei den über 55-Jährigen hatten immerhin 45 Prozent derartige Produkte erworben.

Laut dem Wall Street Journal würden diese und andere Statistiken den massiven Abwärtstrend für Thunfischkonserven belegen, deren Umsatz in den vergangenen drei Jahrzehnten in Summe um 42 Prozent gesunken ist.

Unterdessen sei der Markt für den Verkauf von frischem und gefrorenem Fisch im selben Zeitraum gewachsen, was ebenfalls auf veränderte Verbraucherpräferenzen hinweise.

Imageproblem

Dennoch: Laut dem Wall Street Journal sei das von Andy Mecs angesprochene verpackungstechnische Generationenproblem nur teilweise für die rückläufigen Verkaufszahlen verantwortlich.

In den vergangenen Jahren habe sich das Imageproblem des Speisefisches aus diversen Gründen vergrößert. Thunfisch steht etwa immer wieder im Verdacht, mit Schadstoffen belastet zu sein. Die Stiftung Warentest unterzog 2016 20 Thunfischprodukte einem Schadstoff-Check. Die schlechte Nachricht: In jeder Probe fanden die Tester Quecksilber. Die gute: Alle Gehalte lagen unter den Grenzwerten. 18 der 20 Produkte können ohne Bedenken gegessen werden. Nur zwei sind wegen hoher Mineralstoffgehalte mit Vorsicht zu genießen.

Problematisch seien auch Geruch und der Optik der Produkte, die im Kontext gängiger Konsumstandards nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen.

Um den Ruf der Thunfischfänger ist es ebenfalls nicht gut bestellt. Schließlich stehen der blaue und der rote Thunfisch auf der Liste der gefährdeten Tiere. Auch das Problem des Beifangs – dass etwa Haie oder Wasserschildkröten in den Netzen landen – wird oft diskutiert. Seitens großer Konzerne heißt es jedoch, dass immer mehr Thunfische mit der Angel gefangen werden – was auf den Dosen auch ausgelobt wird.