Eine Hand schöpft Wasser aus einem klaren Bach.

Das Wunder Wasser - ein verblüffendes Element

Seit 1993 findet Jahr für Jahr am 22. März der Weltwassertag statt. Er soll das Bewusstsein für dieses erstaunliche Lebenselixier schärfen.

Stellen wir uns einen Moment diese Situation vor: Morgens um sieben. Schlaftrunken schleppt man sich ins Bad, dreht den Wasserhahn auf – und nichts passiert. Kein Tropfen, kein Gluckern, kein Rauschen, nur Stille. Fragend blickt man ins Waschbecken, dann in den Spiegel. Wie soll man Zähne putzen, Haare waschen, duschen? Frühstückskaffee? Auch hinfällig. 

Ohne Wasser gerät unser Alltag mit seinen Routinen schnell ins Stottern. Denken wir darüber nach, erkennen wir, wie selbstverständlich wir das kostbare Gut nehmen, das sonst „unsichtbar“ durch Leitungen fließt. Wasser ist nicht bloß eine Flüssigkeit, es ist das viel zitierte Lebenselixier. Es löscht unseren Durst, nährt Pflanzen und Tiere, ist seit Jahrtausenden Grundlage von Zivilisation. Kurz: Vom Wasser hängt alles Leben ab.

„Wasser ist die treibende
Kraft der gesamten Natur.“
Leonardo da Vinci

Kein Stoff ist so gut erforscht und gibt doch Rätsel auf. Alleine die Tatsache, dass Wasser auf der Erde in drei Aggregatszuständen vorkommt – flüssig, fest und gasförmig – scheint wundersam, obwohl seine chemische Struktur simpel ist. Zwei Wasserstoffatome tun sich mit einem Atom Sauerstoff zu einem Wassermolekül zusammen: H2O – that’s it. Obwohl es eines der kleinsten Moleküle der Welt ist, ist es ausgesprochen vital. „Aufgrund seines Aufbaus beteiligt sich jedes Wassermolekül gewissermaßen an einem Tanz mit anderen Wassermolekülen: Immer wieder geht es eine kurze Paarung ein und wandert dann weiter wie die ständig wechselnden Partner in einer Quadrille“, beschreibt es Bill Bryson wunderbar bildhaft in seinem Buch „Eine kurze Geschichte von fast allem“ (Goldmann Verlag). Bryson weiter: „Ein Glas Wasser mag nicht sonderlich lebendig wirken, aber in Wirklichkeit wechselt jedes Molekül darin mehrere Milliarden Male in der Sekunde den Partner.“ Das ist auch einer der Gründe dafür, weshalb Wasser so viele unterschiedliche Spielarten annehmen kann – Lacke, Bacherl, Fluss, See, Ozean ... Gewässer, in die man hineinspringt, ohne sich zu stoßen, weil die chemische Verbindung des Wassers relativ lose und daher leicht zu trennen ist.

Gleichzeitig fragt man sich, wie es möglich ist, dass Insekten, wie der Wasserläufer, auf der Oberfläche dahin trippelt. Oder, dass Steine, wirft man sie gekonnt im richtigen Winkel, mehrfach darauf abprallen? Das wiederum liegt an der Oberflächenspannung bzw. an den Molekülen, „die an der Oberfläche von ihren gleichartigen unteren und seitlichen Nachbarn stärker angezogen werden als von den Luftmolekülen über ihnen“, erklärt Bryson. „So entsteht eine Art Häutchen, das stark genug ist, um Insekten zu tragen und Steine abprallen zu lassen.“ 

Macro of Gerris lacustris or common pond skater

Wasserläufer bewegen sich am Wasser fort, ohne "einzusinken". Die Oberflächenspannung macht's möglich.

©Getty Images/iStockphoto/Leo Malsam/istockphoto.com

Ambivalente Paarungen

Wasser kann also beides sein: weich und auch „hart“. Das ist nicht die einzige skurrile Ambivalenz. Eine andere lautet: Es ist uralt und doch frisch. Dasselbe Wasser, das etwa in gewaltigen Fällen in die Tiefe stürzt, haben vor Jahrmillionen schon die Dinosaurier getrunken – und, wie man sich denken kann, auch ausgeschieden. Diese Vorstellung mag nicht appetitlich sein, aber sie verdeutlicht, dass Wasser immer da war und da ist. Man kann es nicht „verbrauchen“, in dem Sinn, dass es völlig verschwindet, sondern es ist seit Millionen Jahren ständig im Umlauf. „Das Wasser, das wir heute trinken, existiert und erfüllt seine Aufgaben, seit die Erde jung war. Seit 3,8 Milliarden Jahren haben die Ozeane“, so der begeisternde Welterklärer Bill Bryson, „zumindest mehr oder weniger – ihr heutiges Volumen erreicht.“ Und wie viel ist das?

Auf der Erde gibt es geschätzt zwischen 1,38 bis 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Das ist erstaunlich, noch viel mehr ist es die Verteilung. 97 Prozent ist Meerwasser, bloß drei Prozent Süßwasser. Davon wiederum ist der Großteil (70 Prozent) als Reserve in den Eiskappen gebunden, wobei große Mengen durch Abschmelzen ständig in den Ozeanen landen und so zu Meerwasser werden.

Waterfalls in summer

Der Wasserkreislauf auf der Erde funktioniert seit Jahrmillionen wie eine unendliche Recylingmaschine.

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Es ist ein gewaltiger, globaler Wasserkreislauf, dem komplexe Vorgänge zugrunde liegen. Die Basis dafür kennen wir alle: Durch Wärme wird Wasser an der Erdoberfläche zu Dampf. Er steigt auf, kondensiert in der Atmosphäre, bildet Wolken. Niederschlag entsteht, wenn so viel Wasser kondensiert ist, dass die Luft es nicht mehr halten kann. Es fällt als Regen zur Erde und alles beginnt von Neuem. Eine unendliche Recyclingmaschine also, die ständig für Nachschub unseres Lebenselixiers sorgt. Ohne das könnten wir nicht viel länger als drei Tage überleben. Daran sollten wir hie und da denken, wenn wir den Hahn aufdrehen und uns kühles, frisches Wasser entgegen strömt.

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Wie groß ist eigentlich das Universum? Was wiegt unsere Erde? Und wie ist das überhaupt möglich, die Erde zu wiegen? Auf diese und andere Fragen zu den Wundern dieser Welt hat Bill Bryson richtig gute Antworten. In seinem Weltbestseller "Eine kleine Geschichte von fast allem" tut er das mit viel Witz und animiert dazu, voller Neugier immer weiter zu lesen. Seinen Weltbestseller gibt es nun in einer Jubiläumsausgabe (Goldmann Verlag).

©Goldmann Verlag

Substanz 

Der menschliche Körper besteht zu 55 bis 65 Prozent aus Wasser. Neugeborene haben sogar einen Wasseranteil von bis zu 80 Prozent.

97 Prozent des Wassers ist in den Ozeanen der Erde gebunden. Die restlichen 2,5 Prozent sind nicht erreichbares Süßwasser, etwa in Gletschern oder im Untergrund. Nur 0,5 Prozent des Süßwassers steht  als Frischwasser zur Verfügung. Durch den Klimawandel wird die wertvolle Ressource zusehends knapper.

Verbrauch
Die Vereinten Nationen warnen vor Wasserknappheit: Zwar gebe es genug Wasser, um die Weltbevölkerung zu versorgen, doch die andauernde Verschwendung von Süßwasser könnte dazu führen, dass die Vorräte schwinden. Schon 2030 dürfte der Bedarf an Grundwasser um 40 Prozent höher sein, als die natürlichen Ressourcen hergeben. Der menschliche Körper besteht zu 55 bis 65 Prozent aus Wasser. Neugeborene haben sogar einen Wasseranteil von bis zu 80 Prozent.

Lebenselixier
Drei Tage, höchstens, kann man ohne Wasser überleben. Im Gegensatz zu Nahrung. Hier kann man selbst mehrere Wochen ohne Essen, wie schon viele  Fälle gezeigt haben, durchkommen. Ohne Wasser aber, geht es nicht! 

Cordula Puchwein

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