Studie zu Tradwives: Männer zeigen oft sexistische Ansichten
Eine neue Studie zeigt, was die Begeisterung junger Männer für Tradwives über Sexismus verrät.
Tradwives, also „traditionelle Ehefrauen“, sind Influencerinnen, die in den sozialen Medien ein Frauen- und Familienbild im Stile der 1950er-Jahre zeigen. Sie kochen, putzen, kümmern sich um Kinder und stellen Hausarbeit, Fürsorge und Unterordnung als erfüllendes Lebensmodell dar.
Viele dieser Auftritte werden bewusst nostalgisch gezeichnet und erinnern an ein idealisiertes Bild früherer Jahrzehnte. So werden klassische Geschlechterrollen und unbezahlte Sorgearbeit als etwas Schönes und Erstrebenswertes inszeniert.
Der Trend kommt aus den USA, doch zu Beginn der 2020er-Jahre, als die Corona-Pandemie viele Frauen aus dem Arbeitsmarkt drängte, wurde der Hashtag #tradwife auch in Europa immer bekannter.
Der Blick der Männer
Eine aktuelle Studie veröffentlicht in Psychology of Women Quarterly, hat nun untersucht, wie junge Männer auf diese Bilder reagieren.
Befragt wurden 595 Männer in den USA im Alter von 18 bis 29 Jahren. Die Forschenden wollten wissen, wie gut die Männer die Tradwife-Bewegung kennen, wie sie dazu stehen und welche persönlichen Einstellungen mit der Zustimmung zu diesem Trend zusammenhängen.
Das wichtigste Ergebnis: Männer, die Tradwives gut fanden, zeigten in der Studie häufiger abwertende, sexistische Einstellungen gegenüber Frauen. Sie haben also nicht nur ein altmodisch-traditionelles Mann/Frau-Rollenbild, sondern eine grundsätzlich abwertende Sicht auf Frauen.
Von wegen „harmlos“
Das überraschte auch die Forschenden. Denn der Tradwife-Stil wirkt in den sozialen Medien auf den ersten Blick bieder und glatt. Im Vordergrund stehen Häuslichkeit, Fürsorge und ein geordnetes Familienleben.
Man hätte also eher erwartet, dass Tradwives vor allem Männern gefallen, die Frauen in klassischen Rollen präferieren. Dieser Zusammenhang zeigte sich zwar auch – aber schwächer.
Denn so harmlos und "nett" der Trend nach außen wirken mag, so sehr legt die Studie gleichzeitig nahe, dass hinter der Zustimmung oft viel problematischere Einstellungen stehen. Die Ergebnisse deuten klar darauf hin, dass Männer mit positiver Haltung zu Tradwives häufiger negativ auf Frauen blicken.
Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn andere Faktoren berücksichtigt wurden, etwa politische Orientierung, Religiosität, demografischer Hintergrund. Zwar hingen auch einige dieser Merkmale statistisch mit positiven Einstellungen zur Tradwife-Bewegung zusammen.
Im Modell spielte die abwertende Sicht auf Frauen aber die wichtigste Rolle. Ebenfalls bedeutsam war, wie wichtig Religion im Alltag der befragten Männer war. Auch der Familienstand „verheiratet“ hing damit zusammen, ob Männer die Bewegung unterstützten.
Der Tradwife-Trend ist damit mehr als bloße Nostalgie im Netz. Hinter den sozialromantisch inszenierten Bildern von Küche, Kindern und Hingabe können Einstellungen stehen, die deutlich problematischer sind, als die freundlich-glatte Oberfläche vermuten lässt.
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