Babylon Berlin

Ende gut, alles gut? Wenn Lieblings-Serien zu Ende gehen

Wenn Serien in die letzte Staffel gehen, fühlt sich das oft an wie ein Abschied. Als würden gute Bekannte einfach verschwinden. Aber: Ein echtes Finale hat auch gute Seiten.

Es sind die Gesichter, die man kennt, als hätte man mit ihnen gelebt. Verhaltensweisen, die man so oft beobachtet hat, dass sie einem zutiefst vertraut sind. Schicksale, mit denen man mitgefiebert hat, jahrelang – gemeinsam mit zigtausend anderen Fans auf der ganzen Welt. 

Gleich zwölf große Serien, alle mit enormer Fan-Base, gehen heuer offiziell in die letzte Runde. 

„The Witcher“ zum Beispiel bei Netflix oder „Maxton Hall“ bei Amazon. Auch die romantische Erfolgszeitreise „Outlander“, in der Jamie Fraser (Sam Heughan)  im Schottenrock über mittlerweile unglaubliche zwölf Jahre Herzen zum Schmelzen gebracht hat. „Die Kaiserin“ dankt ab und in „Babylon Berlin“ hat es sich bald ausgetanzt  und -ermittelt. 

Und natürlich: Übernächste Woche, ab 4. April, kommt es zum letzten und endgültigen Showdown zwischen Homelander (Antony Starr) und Billy Butcher (Karl Urban) mit seinen „Boys“ auf Amazon. 

Besser als „plötzlich weg“!

Und natürlich schmerzt dieses Wissen: Jetzt ist bald endgültig Schluss. Was dabei allerdings  leicht untergeht: Das ist ein Luxus. Heutzutage. 

Denn all diese Serien bekommen etwas, das schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist – ein Ende. Ein echtes, erzähltes, geplantes Ende. Etwas, das vielen anderen verwehrt blieb. Wer sich noch an „Westworld“ erinnert, „The OA“, an Ridley Scotts „Raised By Wolves“, „Sense 8“, das so ambitionierte wie faszinierende Projekt der Wachowski-Sisters oder „Vinyl“, das nach einer elektrisierenden ersten Staffel ganz einfach verschwand, weiß, wie sich das Gegenteil anfühlt: Eine Geschichte, die einfach abbricht. 

Keine Auflösung, nicht einmal ein letzter Satz – man hatte gar nicht die Möglichkeit, sich von seinen „Freunden“ zu verabschieden.

Tatsächlich, das macht emotional einen enormen Unterschied aus. Ein echtes Serienfinale ist nicht nur ein Ende – es ist eine Form von Respekt. Gegenüber der Geschichte. Und gegenüber den Zuschauern. Und deshalb fühlt sich dieses Serienjahr so besonders an. 

Natürlich, es ist oft prinzipiell nicht ganz normal, wie wir auf Serien reagieren. Wir kennen diese Figuren nicht. Nicht wirklich. 

Weil sie ganz einfach nicht real sind. Und trotzdem verbringen wir teilweise mehr Zeit mit ihnen als mit den meisten echten Menschen. Wir wissen, wie sie schauen, wenn sie lügen. Wie sie sprechen, wenn sie nervös sind. Und manchmal sogar, wie sie sich fühlen, bevor sie es selbst wissen. Aber vielleicht trifft uns gerade deshalb ein Serienende so hart. 

Wir sind es gewohnt, auf „Play“ zu drücken, und sie sind alle da: der fesche schottische Jamie, der fiese Homelander oder die gruselige Aunt Lydia aus „Handmaid’s Tale“. Wir entscheiden, wann wir sie sehen, wann es vorbei ist. Noch eine Folge. Noch eine Szene. Noch ein Dialog. Bis, ja, bis dann eben der Schlussvorhang fällt. 

Eine Sache, die wir respektieren müssen – und ja, das ist dann tatsächlich ganz so wie im richtigen Leben.

Der letzte Ritt

Begleiten wir also Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und seine so vorwitzige wie unwiderstehliche Assistentin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) noch einmal durchs „Babylon Berlin“, besuchen die Elite-Schule „Maxton Hall“ und reiten mit Jamie Fraser in den letzten Sonnenuntergang. Und freuen uns, dass wir wenigstens die Chance dazu haben. 

Ob ein Serienende letztendlich tatsächlich funktioniert, ist eine höchst individuelle Angelegenheit aufseiten der Fans und Zuschauer. Oft erkennt man ein „gutes“ Ende – nicht zu verwechseln mit einem „Happy End“ – nicht so sehr daran, was passiert, sondern wie es sich anfühlt. 

Ein Ende muss nie alles erklären, es muss nicht einmal alle Fragen beantworten. Es muss sich verdient anfühlen – und unsere „Freunde“ sollten dort ankommen, wo sie schon immer hinmussten. 

Oder zumindest auf den Weg dorthin.

Und das funktioniert – mehr oder weniger gut – nur mit einem geplanten Serienende. Natürlich macht es das auch nicht leichter. Ein gutes Ende bleibt ein Abschied. Aber es ist einer, der zählt. Denn diese Serien gehen nicht einfach. Sie kommen an.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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