Küss mich, Stolperstein: Die besten RomComs aller Zeiten
Eine subjektive und natürlich total unfaire, vor allem auch Pretty Woman-freie Liste der Top-10 RomComs aller Zeiten - und ein Ausblilck auf die Zukunft.
Peinlichkeiten, Missverständnisse, falsche Abzweigungen – und am Ende doch die große Liebe. Romantische Komödien verlieren nie ihren Reiz, und feiern gerade ein echtes Comeback.
Warum bloß? Auch diese Frage werden wir zu klären versuchen. Vorweg aber die ultimative und unfaire Top-10-Liste:
1. The Philadelphia Story (1940),
Cary Grant, Katharine Hepburn
2. Notting Hill (1999),
Hugh Grant, Julia Roberts
3. Palm Springs (2020),
Andy Samberg, Cristin Milioti
4. Vergiss mein nicht (2004),
Jim Carrey, Kate Winslet
5. Bringing up Baby (1938),
Cary Grant, Katharine Hepburn
6. Once (2007),
Glen Hansard, Markéta Irglová
7. When Harry Met Sally (1989),
Billy Crystal, Meg Ryan
8. Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1994), Hugh Grant, Andie McaDowell
9. My Big Fat Greek Wedding (2002), John Corbett, Nia Vardalos
10. Roman Holiday (1953), Gregory Peck, Audrey Hepburn
Ich hätte gern den Chef-Salat, bitte, mit Öl und Essig extra. Und dazu den Apfelkuchen à la mode – aber den Kuchen bitte warm, das Eis nicht oben drauf, sondern extra. Und bitte Erdbeere statt Vanille, falls Sie das haben. Wenn nicht, dann gar kein Eis, sondern Schlagsahne – aber nur, wenn es echte Schlagsahne ist, nicht aus der Dose.
Eine Bestellung, wie eine Bindung fürs Leben, weil Sally fest daran glaubt, dass man das Leben – und die Liebe – richtig machen kann, wenn man nur genau genug plant. Ihre Bestellungen sind kleine Lebensentwürfe: nichts dem Zufall überlassen, alles verhandelbar.
Genau, und danach kommt der Orgasmus, mitten im Lokal, bei voller Belegschaft – und Billy Crystal schaut zu wie ein Mann, der gerade begreift, dass er nie wieder unbeschwert frühstücken wird.
When Harry Met Sally (1989) ist in diesem Moment nicht einfach eine Romantic Comedy – es ist eine Genredefinition. Alles ist da: das peinlich-Intime, das Witzige, das Wahrhaftige. Und vor allem die Erkenntnis, dass Liebe nicht geschniegelt daherkommt, sondern stottert, Umwege nimmt.
Die RomCom ist der Gegenentwurf zur großen tragischen Liebesgeschichte, weil sie den Menschen nicht idealisiert, sondern entlarvt. Romeo und Julia sterben für ihre Liebe, Meg Ryan stolpert hinein. Hugh Grant erklärt sie falsch. Und genau darin liegt die Faszination.
Historisch entstand die romantische Komödie dort, wo das bürgerliche Leben anfing, sich selbst zu betrachten. Nicht mehr Götter, Könige oder Schicksalsschläge verhinderten die Liebe, sondern Missverständnisse, Konventionen, soziale Regeln – und das eigene Unvermögen.
Und so sind Klassiker wie eben Harry & Sally oder Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder Notting Hill zwar prägend, aber natürlich keinesfalls der Ursprung des Ganzen.
Screwball!
Oder: Die Erfindung der romantischen Katastrophe
In den Comedys der 30er- und 40er-Jahre wurde Liebe plötzlich etwas, über das man reden, streiten, lachen konnte. Gefühle mussten nicht heroisch sein, sondern verhandelbar.
Bringing Up Baby (1938) zeigt Cary Grant als Mann, der komplett die Kontrolle verliert – wegen einer Frau, eines Leoparden und einer Eskalationsspirale aus Missverständnissen. Hugh Grant hatte hier alles gelernt, was er später perfektionierte.
15 Jahre danach fährt Gregory Peck mit Audrey Hepburn auf der Vespa durch Rom – Ein Herz und eine Krone (1953) ist heute der vielleicht größte RomCom-Klassiker. Ohne Happy-End. Aber vielleicht gerade deshalb.
Schon im nächsten Jahr wird in Sabrina allerdings auch das korrigiert, in letzter Sekunde folgt Humphrey Bogart Audrey auf das Schiff nach Paris – eine Szene, die unter wechselnden Voraussetzungen und Orten – Bahnhof, Flughafen, U-Bahnstation – fixer kulminativer Bestandteil vieler RomComs ist.
Ganz einfach Liebe
Aber was fesselt uns denn eigentlich so an diesen „patscherten“ Lovestorys? Antwort: genau das.
Die RomCom lebt vom Irrwitz des Alltäglichen. Zwei Menschen gehören offensichtlich zusammen – und schaffen es trotzdem nicht. Weil sie zu stolz sind. Zu verunsichert. Zu höflich. Zu sehr damit beschäftigt, sich selbst im Weg zu stehen.
Das ist peinlich, manchmal schmerzhaft – aber eben auch zutiefst menschlich. Und: Genau darin erkennen wir uns wieder.
Vor etwa 30 Jahren bekam dieses Stilmittel auch im Fernsehen mehr und mehr Gewicht. Vor allem dort, wo uns Serien verstärkt „Menschen wie du und ich“ zeigen wollten:
Friends (1994–2004), Ally McBeal (1997–2002), Sex and the City (1998–2004) oder Gilmore Girls (2000–2007) bedienen neben allem Drama auch exakt alle RomCom-Elemente mit mehr oder weniger neurotischen, suchenden, im Grunde romantischen, aber doch unsicheren Menschen, die ihrem Glück oft selbst im Weg stehen. Ganz „wie du und ich“ eben.
Auch die Zukunft ist romantisch
Materialists mit Dakota Johnson setzt ganz aktuell die RomCom-Tradition fort, ab März wird Maya Hawke in Wishful Thinking dem Genre noch ein Sci-Fi-Element hinzufügen, You, Me & Tuscany mit Halle Bailey im April wird ein Klassiker im italienischen Sehnsuchts-Setting und in All That She Wants tummeln sich mit Cooper Raiff, Finn Wittrock und Annie Murphy die Stars der neuen Generation.
Denn solange Menschen sich nach Nähe sehnen, aber Angst vor Zurückweisung haben, solange Gespräche misslingen, obwohl Gefühle klar sind, solange wir hoffen, dass jemand uns trotz unserer Unzulänglichkeiten liebt – wird es romantische Komödien geben.
Und das ist auch schön so.
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