Demi Moore in einem schwarzen Kleid mit Federn auf dem roten Teppich.

Magere Zeiten in Hollywood: Das neue, alte Schönheitsideal

Hollywoods Leitfiguren zeigen sich dünn wie nie. Ist diese Feststellung schon Bodyshaming – oder ein notwendiger Aufschrei? Eine Expertin für Körperbilder erklärt, welche Auswirkungen solche Fotos haben können.

Ein eingefallenes Gesicht, hervortretende Schlüsselbeine, eine XXS-Silhouette: Demi Moores Auftritt bei den Actor Awards in Los Angeles am vergangenen Wochenende sorgte in den sozialen Medien für Besorgnis und Diskussionen. Die 63-Jährige ist nicht die Einzige, die in dieser Award Season mit magerer Statur auffiel. Auch Emma Stone, Ariana Grande oder Kelly Osbourne präsentierten sich dünn wie nie und riefen ein vergangen geglaubtes Schönheitsideal in Erinnerung.

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Emma Stone (in Louis Vuitton) soll nicht nur frisch geliftet, sondern auch deutlich erschlankt sein.  

©EPA/TOLGA AKMEN

Ist Size Zero nach Jahren der Body Positivity endgültig zurück auf dem Red Carpet – und damit in der Gesellschaft? Die Gesundheitsberaterin Andrea Ammann beobachtet den Trend mit Sorge: „Selbst wenn es sich um eine selektive Darstellung handelt, darf man die Wirkung dieser Bilder nicht unterschätzen. Solche Auftritte werden millionenfach geteilt und wirken wie eine neue Norm“, warnt sie. „Genau diese Wahrnehmung kann gesellschaftlichen Druck erzeugen.“

Warum sehe ich nicht so aus?

Nach ihrem eigenen Kampf mit Bulimie hat Ammann sich auf Essstörungen spezialisiert und begleitet Betroffene auf dem Weg zurück. Von ihrer Arbeit weiß sie: Gerade junge Menschen reagieren sensibel auf solche Mager-Fotos. Dünnsein werde nicht nur als ästhetisch, sondern als Disziplin und Erfolg verkauft. Viele hinterfragen nicht, wie inszeniert oder bearbeitet die Bilder sind. „Stattdessen entsteht schnell der Gedanke: Warum sehe ich nicht so aus? Das eigene Wohlbefinden wird zunehmend vom Außen abhängig gemacht – von Likes, Kommentaren oder ständigen Vergleichen.“ Langfristig könne diese Dynamik Essstörungen begünstigen oder psychische Belastungen verstärken.

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Ariana Grande war immer sehr schlank, wirkt nun aber noch dünner.

©EPA/CAROLINE BREHMAN

Obwohl Essstörungen zuletzt weniger in der Berichterstattung präsent waren, zeigt der langfristige Trend in Österreich eine deutliche Zunahme stationär behandelter Fälle. „Auffällig ist, dass Essstörungen nicht mehr nur klassische Risikogruppen betreffen“, beobachtet Ammann. „Auch Frauen im mittleren Alter suchen Unterstützung – häufig nach jahrzehntelang verborgenem Leiden.“

Oft werden in der öffentlichen Debatte Medikamente wie Ozempic erwähnt. Sie stehen inzwischen symbolisch für schnelle Gewichtsreduktion. Ammann warnt jedoch: „Problematisch ist weniger das einzelne Medikament, sondern die Haltung dahinter - die Vorstellung, ein Körper müsse möglichst effizient optimiert werden.“ Dadurch verschiebe sich der Fokus noch stärker auf das Gewicht als sichtbares Kriterium von Disziplin oder Attraktivität. „Diese Logik verstärkt den Druck, einem Ideal zu entsprechen, statt die individuelle körperliche Vielfalt anzuerkennen.“

Gegentrend: echte Gesichter

Das gegenwärtige Schönheitsideal beschreibt Ammann so: extrem schlank, gleichzeitig durchtrainiert, makellose Haut – häufig perfektioniert durch Bildbearbeitung oder Eingriffe. Dass Schönheitsideale Schwankungen unterliegen, zeigt auch ein Blick auf die Preisverleihungen der vergangenen Jahrzehnte. Gleichzeitig gibt es Hollywoodstars, die sich dem aktuellen Optimierungsdruck teilweise widersetzen: Monica Bellucci mit ihren Kurven, Emma Thompson mit ihren angegrauten Haaren, Jessie Buckley und Keri Russell mit ihren „Real Faces“, wie der Gegentrend genannt wird.

FILE PHOTO: "The Bride!" world premiere at Cineworld Leicester Square, in London

Oscar-Favoritin Jessie Buckley setzt auf Natürlichkeit.

©REUTERS/Jaimi Joy

Ein stabiles Körpergefühl entstehe ohnehin nicht durch Anpassung an wechselnde Trends, betont Ammann. „Entscheidend ist eine achtsame, respektvolle Verbindung zum eigenen Körper.“

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