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Wohntrend: So schaffen zwei Österreicherinnen Unikate an Wänden

Jetzt kommen Blumen und Bäumen an Wohnzimmerwände. Zwei Künstlerinnen aus Österreich haben den grünen Daumen für blühende Räume.

Die Wienerin Marie Hartig malt, während wir telefonieren. Sie arbeitet gerade an einem Projekt mit Tieren, mehr kann sie dazu noch nicht sagen. Die Künstlerin gestaltet direkt auf der Wand, gerade das macht für sie den Reiz aus. „Ich liebe die Wandmalerei und liebe es, das gemeinsam mit meinen Kunden zu entwickeln.“ Ein schöner Prozess, in dem man die Welt der Menschen kennenlernt, um diese in einem Raum sichtbar und spürbar werden zu lassen. „Eine Wand zu bemalen, ist immer ein Unikat. Das wird nie irgendwo anders so zu sehen sein.“

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Marie Hartig ist Wandmalerin und lebt in Wien

©Marie Hartig

Wie alles begann

Ihre Motive speisen sich oft aus unterschiedlichen Welten. „Als Diplomatenkind bin ich in vielen verschiedenen Ländern aufgewachsen. Irgendwie habe ich dieses Mixed World in mir“, sagt Hartig. Sie hat in London gelebt, Kunst studiert und Regisseure für Werbefilme, Musikvideos und Kurzfilme vermittelt. Dann bemalte sie auf Bitte der Mutter das Zimmer ihres Taufkinds in London – und bald wollten andere auch so etwas.

Goldegggasse

Weiße Wände wirken oft nur grau

©Jakob Resch Photography/Marie Hartig

Papageien in Kärnten

Am liebsten mischt Wandmalerin Hartig Dinge, „die vielleicht überhaupt nichts miteinander zu tun haben“. Für eine brasilianische Frau und ihren österreichischen Mann bemalte sie einen Raum mit Papageien, Kärntner Landschaft und Palmen. „Das ergibt für jemand anderen vielleicht wenig Sinn, aber für diese Familie ist es perfekt, weil beide genau wissen, worum es geht. Das ist ihre Welt, speziell für sie gemalt.“ 

Hartig malt Landschaften, Tiere und besonders gerne Bäume. Was sie auf die Wand bringt, erzählt immer eine Geschichte, verändert den Raum und damit das Gefühl des Betrachters. Dabei widerspricht sie der weit verbreiteten Vorstellung, weiße Wände würden einen Raum automatisch größer oder heller machen. „Das stimmt nicht immer. Eine weiße Wand ohne Licht ist eine graue Wand.“ Es komme auf die Lichtverhältnisse an.

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Landschaften und andere Motive bringen Weite in den Raum

©Marie Hartig

Wandmalerei ist Luxus, so ein Projekt kann je nach Größe Wochen dauern. Gleichzeitig betont die Künstlerin, dass man nicht immer groß anfangen muss. Auch kleine Formate oder kleinere Flächen sind möglich. „Ich bin da offen. Es muss einfach schön sein.“ Wer keine ganze Wand gestalten lassen will oder in einer Mietwohnung lebt, für den gibt es andere Lösungen: bemalte Paneele, große Leinwände, Drucke oder auch Tapeten, die sie etwa für „Nobilis“ entworfen hat.

Pinselstriche auf der Tapete

Direkt auf einer Wand zu malen, das könnte sich Martina Heigl auch vorstellen. Derzeit fertigt sie Tapeten auf Basis ihrer Ölbilder. „Es geht mir ums Handwerkliche, dass man sieht, es ist mit der Hand gearbeitet.“ Auf ihren Tapeten ist jeder Pinselstrich erkennbar, das Künstlerische spürbar. Gerade das unterscheidet ihre Arbeiten von Fototapeten oder rein digital erzeugten Mustern. Das Atelier der Künstlerin liegt in Kärnten, im ehemaligen Architekturbüro ihres Vaters. Von dort blickt man direkt in den Garten. „Er war auch leidenschaftlicher Gärtner“, sagt sie.

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Die Kärntnerin Martina Heigl bringt mit Blumen Üppigkeit an Wände

©Beigestellt

Dunkle Farben können Tiefe geben

Vielleicht erklärt dieser Ort auch ihre Liebe zu Blumen. „Blumen geben malerisch sehr viel her. Sie wirken einfach positiv auf die Stimmung. Das ist wie Seelennahrung. Egal, ob gemalt oder echt.“ Sie stehen für „Fülle und Üppigkeit“. In einem Raum können sie viel bewirken. Martina Heigl geht es darum, „den Raum aufzumachen“.

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Blumiges geht immer: Ein Tapetentrend, der sich hält

©Beigestellt

Tapeten können Tiefe geben, auch wenn sie dunkler sind. „Viele denken, es braucht helle Farben und alles muss zart sein. Aber gerade dunkle Farbe kann dem Raum totale Tiefe geben.“ Ihre Projekte beginnen meist mit einem vorhandenen Motiv oder einer kleinen Kollektion, die sie weiterentwickelt. Gemeinsam mit den Kunden wird überlegt, welche Wand gestaltet wird und welches Raumgefühl entstehen soll. Fotos helfen bei der Visualisierung.

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Ein Dschungel zaubert auch Raum in den Kopf

 

©Beigestellt

So unterschiedlich die beiden Künstlerinnen arbeiten, so ähnlich ist die Idee: Man holt sich Natur, Geschichten und Atmosphäre ins Haus. Blumen, Gärten, Landschaften und Tiere als Teil einer persönlichen Umgebung. Oder, wie Marie Hartig es sagt: „Es ist intim, es ist kreativ, es geht ums Geschichtenerzählen.“

Annemarie Josef

Über Annemarie Josef

stv Chefredakteurin KURIER Magazin freizeit. Lebt und arbeitet seit 1996 in Wien. Gewinnerin des Hauptpreises/Print bei "Top Journalist Award Zlatna Penkala (Goldene Feder)" in Kroatien. Studium der Neueren Deutschen Literatur in München. Mein Motto: Das Leben bietet jede Woche neue Überraschungen.

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