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Energie-Revolution? Wie Kühe jetzt Häuser heizen

Warum die Kühe im Allgäu auf Wasserbetten liegen und wie sie damit ganze Häuser heizen.

Am „Spitalhof“ in Kempten, einem Forschungs- und Versuchsgut, das dem „Milchwirtschaftlichen Verein Bayern“ gehört, hat man den Kühen der Rasse Braunvieh/Braun Suisse die Liegeboxen umgebaut. Seither ruhen sie auf neun Zentimeter hohen Wasserbetten. Das sei gut für die Kuh und für die Menge und die Qualität ihrer Milchproduktion. 

Kühe können nicht schwitzen

Je länger sie bequem ruht, desto höher der Ertrag, sagen Experten. Dabei hat es die Kuh auch gern kühl. Ihre ideale „Betriebstemperatur“ liegt ungefähr zwischen minus fünf und plus 18 Grad Celsius, unter der des Menschen. Hitzestress ist ihr unbekömmlich. In den heißen Sommern wird das jetzt zunehmend zum Problem. Die Kuh kann nicht schwitzen und produziert bei der mikrobiellen Verdauung im Pansen selbst sehr viel Wärme, die sie an die Umgebung abgibt. 

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Kühe können nicht schwitzen und geben viel Wärme an ihre Umgebung ab.

©Milchwirtschaftlicher Verein Bayern e.V.

Tierisch gut 

Am „Spitalhof“ fand man eine Lösung. Im Boden unter den Weideflächen beim Stall wurden Wasserleitungen verlegt, die zu den Wassermatten führen und – durch das Erdreich gekühlt – im Sommer die Wärme ableiten. „Umgekehrt sollte aber auch die zuverlässig produzierte Wärme nicht verloren gehen. Daher wird im Winter die Körperwärme der Kühe in Energie verwandelt. Sie dient der Heizung von Wohn- und Nutzgebäuden“, sagt Elmar Karg, der Vorstand des „Milchwirtschaftlichen Verein Bayern“. 

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Auf diesen Wasserbetten ruhen die Kühe und geben Wärme ab, die in nutzbare Energie umgewandelt wird. 

©Milchwirtschaftlicher Verein Bayern e.V.

Bis zu 120 Megawattstunden Kuhwärme

Das gelingt mittels eines Wärmetauschers. Jede Kuh liefert durchschnittlich 200 bis 300 Watt Leistung pro Stunde. Auf die ganze Herde umgerechnet sind das im Winterhalbjahr 100 bis 120 Megawattstunden Wärme. Damit kann man etwa 10.000 Liter Heizöl einsparen. 

Die moderne technische Lösung hat ein Nutzungsvorbild in alten Bauernhöfen. In diesen waren die Wohnräume oberhalb der Ställe angebracht, in die die dort produzierte Wärme aufstieg. Auch heute heizt man nachhaltig dank tierischer Energiequellen, zum Glück ohne Geruchsbelästigung. Die Investition in das System soll sich in acht bis zehn Jahren rechnen.

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