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freizeit Mode & Beauty
07/31/2020

Warum jetzt alle Mode aus Ungarn tragen wollen

Einige der aktuell beliebtesten Labels stammen von unserem Nachbarn. Was ihr Erfolgsgeheimnis ist.

von Maria Zelenko

Wer ganz oben auf der Liste der Modenationen steht, ist unumstritten. Da wäre Frankreich, wo Giganten wie Hubert de Givenchy und natürlich Coco Chanel geboren wurden. Und wo die Frauen stets dieses gewisse „je ne sais quoi“ ausstrahlen.

Auch Italien kann auf eine ruhmvolle Modegeschichte zurückblicken, bis heute gilt „Made in Italy“ als Garantie-Stempel für beste Qualität.

Nur selten schweifte der Blick von Modefans in den vergangenen Jahrzehnten gen Osten. Russland hat mittlerweile bewiesen, dass es mehr kann, als nur protzige Kleidung für Oligarchinnen hervorzubringen.

Zuletzt machte jedoch ein anderes Land vermehrt von sich reden: Ungarische Mode wird bei Boutiquen sowie Modebloggern immer beliebter.

Riskanter Markt

Zu den beliebtesten Namen zählt aktuell Eszter Áron. 2012 gründete die Budapesterin ihr Label Aeron mit dem Anspruch, weltweit in Boutiquen vertreten zu sein. Für die Einkäufer, die damals zu den Fashion Weeks reisten, um ihre Kollektion zu sichten, war die Herkunft des Labels außergewöhnlich.

Mode aus Ungarn? Darunter konnte sich kaum jemand etwas vorstellen. „Alle fanden es recht exotisch, dass wir aus Budapest stammen“, erinnert sich Áron im KURIER-Gespräch. Ihre minimalistischen, nicht zwanghaft aktuellen Trends folgenden Entwürfe – mit viel Leder und lässigen Schnitten – fanden schnell Anklang. Vor allem bei der japanischen Kundschaft.

„Von den dortigen Kaufhäusern kamen sofort die ersten Bestellungen.“ Warum über die Modebranche von Österreichs Nachbar so wenig bekannt ist, erklärt sich die 38-Jährige unter anderem mit der Größe ihres Heimatlandes: „Der Markt ist sehr klein, und die meisten Einheimischen können sich höherpreisige Mode nicht leisten. Der ungarische Markt ist riskant. Wenn wir uns nur auf die hiesigen Kunden konzentrieren, wird es auf Dauer schwer.“

Keine Klischees

Um langfristig erfolgreich zu sein, war die internationale Ausrichtung von Tag eins an essenziell. Diesen Sprung schaffte jüngst auch Nanushka. Ebenfalls in Budapest gegründet, gehörte das Label von Sandra Sandor bei den vergangenen Fashion Weeks in Paris zu den wichtigsten Namen im Show-Kalender.

Von der Modejournalistin bis zum Influencer trägt ihre Entwürfe aktuell gefühlt jeder Modefan.

Nanushkas Erfolg basiert, ähnlich wie bei Aeron, auf der Tatsache, dass die Kreationen nichts mit klischeehaften Vorstellungen von Mode aus dem Osten zu tun haben. „Es handelt sich weder um den derzeit ebenfalls sehr hippen Sowjetunion-Look von Labels wie Gosha Rubchinskiy – noch um Mode mit Folklore-Touch“, sagt Rafael Duleba, Einkäufer im Steffl The Department Store, wo Nanushka zu den Bestsellern gehört. „Nanushka verkörpert einen sehr modernen Stil, der nicht laut sondern sehr bodenständig und unprätentiös ist.“ Und genau das kommt in unsicheren Zeiten wie diesen bei der Kundschaft besonders gut an.