46-224057598

Maskuline Muskelspiele: das Comeback des Henley-Shirts

Längst ist das einstige Unterhemd heimliches It-Piece der Männergarderobe. Warum Modedesigner das Henley-Shirt heuer in Varianten zwischen Luxus und Casual feiern, woher es kommt und wie man es stylt.

Was machten britische Sportler im 19. Jahrhundert, als es noch keine Funktionskleidung gab? Sie erfanden sie selbst und wandelten ihre damals üblichen Unterleiberln zu Ruderleiberln um. Die kleine Stadt Henley-on-Thames ist seit 1839 der Austragungsort der Royal Regatta, Englands wichtigstem Ruderwettkampf. Die Ruderer konnten in den kragenlosen Baumwollshirts mit der kurzen Knopfleiste bequem sporteln. So wurden die weißen, atmungsaktiven Unterhemden zur Standard-Ruderuniform mit Symbolcharakter: Nach dem Rennen gaben die Verlierer ihre Hemden meist an die Gewinner. Damit war das Ruderhemd nicht nur als Funktionswäsche erfunden, sondern galt auch als Symbol für Sieg, Fairness und Männlichkeit. Im Laufe der Industrialisierung wurde das Hemd schnell zum Massenprodukt.

Vom Unterhemd zur Stil-Ikone

46-224057466

Maskuliner City-Chic, auch am Foto ganz oben: Das Henley-Shirt wird zur Bundfaltenhose kombiniert. Von COS, 129 €

©Hersteller

In den 1970er-Jahren erkannte Modeschöpfer Ralph Lauren das Potenzial des Vintage-Shirts. Er brachte es als modische Neuheit auf den Laufsteg  und machte es so zum It-Teil in der Casual-Mode. Nach wie vor wird es zwar immer noch gerne unter Hemden getragen, spielt aber längst als Oberbekleidung mit, und gilt als Ikone für selbstbewusste, maskuline  Männer. Schließlich gab Daniel Craig in No Time to Die darin seinen letzten James Bond. Und auch Keanu Reeves  schaltet im Unterleiberl in John Wick: Chapter 2 feindliche Profikiller aus. 

Auch Brad Pitt, Ryan Gosling, David Beckham oder Chris Hemsworth zeigen in dem  anliegenden Shirt Muskeln und Bodyfitness.  Und in Westernfilmen statten Kostümbildner Cowboys oft mit Henley-Shirts aus, die bei offenen Knöpfen, die Brust hervorblitzen lassen, wenn die Rancher am  Lagerfeuer zur Gitarre greifen. 
Heute bringen Designer von Dolce & Gabbana bis COS das Shirt in Varianten vom groben Baumwollshirt à la Workwear und Y2K, dem Nullerjahre-Stil, bis zum edlen Slim-fit-Shirt mit langen oder kurzen Ärmeln. Die Luxusshirts aus Merino, Seide oder Jersey sind längst bürotauglich, die „gewöhnlichen“ Leiberln bleiben besser in Alltag und Freizeit. Mit Jeans und Boots erzielt man einen coolen Freizeit-Look, unter der Lederjacke getragen wirkt das Shirt wie bei Action-Helden und zu Bundfaltenhosen, etwa bei COS, bekommt der Look einen smarten, urbanen Touch.

Kommentare