Godfather-Style im Trend: Die alten Symbole der Macht
Der große Auftritt erfolgt derzeit mit protzigem Schmuck und in Kunstfell – mit deutlichen Anleihen an Mafiosi-Frauen aus Kultfilmen.
Es war nicht nur ein kurzweiliger TikTok-Trend: 2024 berichteten Modegazetten von der „Mob Wife“–Ästhetik, die im Netz gefeiert wird - dem auffällig-prahlerischen Stil der Mafia-Braut aus Filmen und Serien wie „Die Sopranos“, „Scarface“ oder „Godfather“ (dt. „Der Pate“).
Gegenpart zum leisen Luxus
Ein offensichtlicher Gegenentwurf zum schlichten Purismus und vielbeschworenen „leisen Luxus“ der vergangenen Jahre, der auf Maximalismus und mehr Drama setzt.
Statt dem Hype um den „Clean Girl Look“, der sich an Reduzierung in Beige und Grautönen abarbeitet, gibt es hier protzigen Schmuck, French Maniküre, große Schulterpolster aus den Achtzigern, Glitzer, viel Leo-Muster und noch mehr Kunstpelz zu sehen.
Trend-Label Miu Miu fungierte als Turbo für den Mob Wife Stlye.
©APA/AFP/ALAIN JOCARDSaint Laurent bis Prada
Wer dachte, dass dieser Trend nach einigen Monaten schon wieder Geschichte sein wird, irrte. Denn der Godfather-Style ist auf den Laufstegen der Saison 2025/2026 angekommen.
Einige große Luxushäuser spielen mit genau diesen Codes. Kunstfell ist ohnehin für beinahe jedes Label ein Thema, Saint Laurent und Dolce & Gabbana zeigen auch Animal-Print und extremen Statement-Schmuck, der Sharon Stone im Kultfilm „Casino“ als Mafia-Gattin gefallen würde.
Von zurückhaltender Eleganz und dem leisen Luxus will die Mafia-Braut 2.0 nichts hören. Er soll laut sein.
Cavalli
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Dolce & Gabbana
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Miu Miu
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Saint Laurent
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Fendi
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Valentino
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Gucci
©REUTERS/Yara NardiDie Vorbilder
Anfang der Nullerjahre präsentiert Carmela Soprano als mächtige Frau von Mafia-Boss Tony eine Mischung aus Power Dressing und Trash-Ästhetik mit engen Oberteilen, vielen Goldringen und kurzen Jäckchen.
Stilsicherer zeigte sich Michelle Pfeiffer 1983 in tiefgeschnittenen Satin–Roben in Scarface. Regisseur Francis Ford Coppola kommentierte, dass die Art, wie Connie Corleone in „Der Pate“ (1972) inszeniert wurde, Ausdruck einer kraftvollen, eleganten Weiblichkeit sei – ein Look, der nun wieder aufgegriffen wird.
Neu interpretiert
Allerdings werden die alten Symbole von Stärke, Glamour und Präsenz je nach Designer neu gelesen – mit einem Augenzwinkern, Nostalgie oder auch ironisch - wenn Prada protzige Fellmäntel mit punkigen Frisuren bricht oder Miu Miu braune Nylon-Strümpfe im Oma-Stil kombiniert.
Prada
©EPA/DANIEL DAL ZENNARODie beiden Labels mögen es nicht so protzig, wie es der Mafia-Look eigentlich vorsieht und wie Fendi, Cavalli oder Dolce & Gabbana es ganz ohne ironische Bruchstellen am Runway vorzeigen.
In jedem Fall benötigt man für die Outfits keinen kriminellen Don Corleone als Ehemann, es braucht nur etwas Mut zur Inszenierung für den großen Auftritt.
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