Die neue Männermode: Schrullige Eleganz
In Paris und Mailand wurde Männermode für den kommenden Winter präsentiert. Sakkos, Krawatten, viele Broschen und noch mehr Retro-Charme gab es zu sehen. Für die Model-Auswahl einiger Luxushäuser hagelte es Kritik.
Der übercoole Streetstyle mit Logo-T-Shirts und Baggy-Jeans scheint endgültig vorbei zu sein. Stattdessen haben Nerds, Dandys und Retro-Liebhaber jetzt ihren großen Auftritt.
Neue kauzige Nostalgie-Eleganz könnte man das nennen, was auf den Männerschauen in Paris und Mailand dieser Tage gezeigt wurde. Sakkos, Karos, Fliegen, Samt – aber immer mit Stilbrüchen, immer mit einem Augenzwinkern.
Louis Vuitton
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Ralph Lauren
©APA/AFP/STEFANO RELLANDINICoole Karos
Besonders stimmig gelang das Ralph Lauren. Hier traf Working Style auf gepflegten Wohlstand. Dicke Daunenjacken wurden mit schwarzen Fliegen kombiniert, karierte Sakkos und Krawatten zu Outdoorstiefeln – unerwartete Zusammenschlüsse, die Spaß machen, frisch wirken und dennoch alltagstauglich sind.
Ralph Lauren
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Zegna
©EPA/DANIEL DAL ZENNAROBroschen bei Dolce & Gabbana und Co.
Noch größere Gesten gab es in Mailand bei Dolce & Gabbana mit viel Schmuck in Form von Broschen – der größte Trend bei Männern – demonstrativem Luxus, inklusive Fell. Bewusst überzeichnet und handwerklich stark.
Dolce & Gabbana
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3. Paradis
©REUTERS/Gonzalo FuentesKritik an Model-Castings
Gleichzeitig sorgte das Casting für Kritik: Ausschließlich weiße Models auf dem Runway stehen im klaren Widerspruch zu einem zeitgemäßen Modeverständnis. Auch Prada wurde getadelt, das Trendlabel castete Magermodels, an denen die unglaublich schmal geschnittenen Mäntel dennoch nicht gut saßen. Man darf gespannt sein, wer die unvorteilhaften Stücke tatsächlich tragen wird.
Eine Analyse von Vogue Business bestätigt, dass es auf den Laufstegen wieder stark untergewichtige Models Vorrang haben. Der Boom der Plus-Size-Models ist vorbei, erklärte zuletzt auch der Gründer der Modelagentur DNA Model Management. Große Größen waren in der Männermode aber ohnehin nie wirklich angekommen.
Prada
©APA/AFP/STEFANO RELLANDINIDiesbezüglich blieb das Luxushaus Armani seinem Stil treu und schickte vor allem muskelbepackte Models über den Runway, die eine entspannte Kollektion präsentierten. Samt, weite Schnitte, zeitlose Silhouetten. Nach diesen Modewochen kann also der alte Samt-Anzug wieder aus dem Fundus geholt werden. Zopfmuster- und Ringelpullis werden ebenfalls wieder ausgemottet und kombiniert mit Hemden und Krawatten für unten drunter – also nur der Knoten des Schlips ist zu sehen. Außerdem präsent: Sakkos in Karo oder einer starken Farbe zu Jeans oder einer weiten Stoffhose. Derbe Schuhe oder Sandalen brechen die Seriosität des Jacketts.
Weite Schnitte
Armani
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Etudes Studio
©APA/AFP/THOMAS SAMSONRote Akzente
Egonlab
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Sagaboi
©Courtesy of SagaboiFlauschiges Fell
Egonlab
©APA/AFP/BLANCA CRUZ
Dior
©APA/AFP/BLANCA CRUZGrau in Grau
Prada
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Dolce & Gabbana
©APA/AFP/STEFANO RELLANDINIGlitzertops bei Dior
Die aufsehenerregendste Show mit sehr gemischten Kritiken kam diese Saison von Jonathan Anderson in Paris. Er präsentierte seine zweite Männerkollektion für Dior mit Glitzertops, großen Daunen-Capes, glänzenden knielangen Kleidern und neongelben Perücken für Männer. Wenig tragbar, sehr eigenwillig, dafür klar in der Haltung und im Anspruch, Männermode neu zu denken.
Dior
©APA/AFP/BLANCA CRUZDie wirkt generell neu sortiert, in Mailand wie in Paris: elegant, aber nicht streng; nostalgisch, aber nicht verstaubt. Die Zukunft trägt wieder Sakko – und kombiniert es selbstbewusst mit Jeans.
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