Märchenhaft: Das war Chanels erste Haute Couture unter Blazy
Analyse: Matthieu Blazy liefert eine märchenhaft filigrane Kollektion, die jedoch auch als Ready-to-Wear durchgehen könnte.
Auch für seine erste Haute-Couture-Kollektion bei Chanel setzte der neue Kreativ-Mastermind nicht auf bombastische Extrem-Roben, wie sie manche vielleicht erwartet hätten. Statt großer Gesten bleibt Matthieu seiner Linie treu: Besonderes entsteht hier durch Handwerk und Material, nicht durch Inszenierung.
Zwar zeigte sich das Grand Palais in zartes Rosa getaucht durchaus eindrucksvoll – mit pastellfarbenen Bäumen und überdimensionalen Pilzen – doch die Atmosphäre blieb bewusst zurückhaltender als zu Zeiten von Karl Lagerfelds Over-the-Top-Kulissen.
Es war ein leiseres, poetisches Setting für Chanels erste Haute Couture unter dem Belgier.
Aristokratisches Alice im Wunderland
Auf dem Laufsteg schwebten seidig transparente Röcke mit Federn als Saumabschlüsse neben klassischen Tweedblazern, die mit Perlen-Accessoires veredelt wurden. Auch die neuen Taschen wirkten wie ein Hauch von nichts – aus durchsichtigem Stoff und offen getragen.
Rosa und Rot dominierten die Farbpalette, sanft miteinander kombiniert, nie kontrastreich ausgespielt. Zarte, locker fallende transparente Kleider mit Pilz-Ornamenten und mit Schleppe wurden zu roten Strümpfen und Pumps mit niedrigen Absatz getragen – eine spielerische, mädchenhafte Note, die an die fantastische Welt von Alice im Wunderland erinnert. Mit einer aristokratischen Interpretation, aber ohne Kitsch und Pomp.
Wenig Drama
Skulpturaler wurde es bei kastig geschnittenen Mänteln, deren Stoffe zu floralen Arrangements verarbeitet waren und mit Kostümen, die von dünnen Fransen oder Federn gesäumt waren und so einen Hauch von Couture-Theatralik ins Bild brachten.
Haute Couture oder Ready-to-Wear?
Insgesamt lieferte Blazy eine filigrane, feminine und erstaunlich tragbare Kollektion.
Gerade darin liegt jedoch auch ihre Ambivalenz: Vieles wirkte weniger wie Haute Couture im klassischen Sinn als vielmehr nach hochklassigem Ready-to-Wear. Vielleicht der erste Hinweis darauf, wie Chanel unter Blazy eine neue, leisere Form von Luxus definiert.
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