Ein Glas ist gefüllt mit einer Vielzahl von bunten Pillen und Tabletten.

Arzneimittel-Wirkung: Gene und Lebensstil sind entscheidend

Warum hilft die Kopfwehtablette bei mir nicht so gut? Tatsächlich wirken Tabletten und Co. nicht bei allen Menschen gleich.

Vor etwa 25 Jahren gelang der Wissenschaft ein Durchbruch: Mit dem Human Genome Project wurde erstmals das menschliche Erbgut nahezu vollständig entschlüsselt. Das internationale Forschungsprogramm dauerte mehr als zehn Jahre und kostete rund drei Milliarden US-Dollar. Ziel war es, die etwa drei Milliarden Bausteine der menschlichen DNA zu identifizieren und damit die genetische „Bauanleitung“ des Menschen zu verstehen. Seitdem hat sich die Technik rasant weiterentwickelt. 

Genetische Analysen, die früher Jahre dauerten und sehr teuer waren, können heute innerhalb weniger Tage durchgeführt werden und kosten nur noch einen Bruchteil. Gleichzeitig hat sich auch das Wissen über die Bedeutung unserer Gene deutlich erweitert. Heute ist klar: Gene beeinflussen nicht nur äußere Merkmale wie Augenfarbe oder Körpergröße. Die Pharmakogenetik – also die Lehre, wie Gene die Reaktion auf Arzneimittel beeinflussen – ist zu einem wichtigen Baustein der personalisierten Medizin geworden. 

Denn Gene können zum Beispiel mitbestimmen, wie unser Körper Nährstoffe verarbeitet, wie hoch das Risiko für bestimmte Krankheiten ist oder wie leicht wir Muskeln aufbauen oder Fett speichern. Bei der Einnahme von Arzneien haben sie ebenfalls ein Wörtchen mitzureden. Regulierungsbehörden wie FDA und EMA verweisen in zahlreichen Fachinformationen bereits auf genetische Marker, die Dosierung oder Wirkstoffwahl beeinflussen.

Junge Frau nimmt Tablette ein

Biologie und persönliche Faktoren bestimmen, wie effektiv ein Medikament im Körper arbeitet.

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Gründe, die die Wirkung beeinflussen 

Viele Menschen haben erlebt, dass ein Medikament bei einer Person sehr gut wirkt, während eine andere kaum einen Effekt spürt oder Nebenwirkungen entwickelt. Ein zentraler Grund liegt in der genetischen Ausstattung: Bestimmte Gene steuern Enzyme, die dafür verantwortlich sind, Medikamente im Körper abzubauen.

Je nachdem, welche genetischen Varianten ein Mensch besitzt, sind diese Enzyme unterschiedlich aktiv. Dadurch wird ein Wirkstoff im Körper unterschiedlich schnell verarbeitet. Die Folgen: Manche Menschen bauen Medikamente sehr schnell ab – das Mittel wirkt dann möglicherweise zu schwach. Andere bauen denselben Wirkstoff deutlich langsamer ab – dadurch steigt das Risiko für Nebenwirkungen oder Überdosierungen.

Auch Alter, Lebensstil und Körperzusammensetzung spielen eine Rolle. Kinder und ältere Menschen verarbeiten Medikamente oft anders. Faktoren wie Rauchen, Ernährung undTageszeit können den Stoffwechsel beeinflussen. 

Eine Hand drückt eine Zigarette in einen vollen Glasaschenbecher, Rauch steigt auf.

Rauchen kann Medikamente schneller abbauen lassen, ihre Aufnahme oder Wirkung verändern.

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Zum Beispiel können ein Vitamin-C-reiches Frühstück oder auch Kaffee die Aufnahme bestimmter Wirkstoffe beeinflussen – je nach Substanz kann sie zu- oder abnehmen. Die Körperzusammensetzung – wie Fett- und Muskelanteil – beeinflusst ebenfalls, wie lange und intensiv ein Medikament wirkt. Fettlösliche Wirkstoffe sammeln sich im Fettgewebe und wirken länger, wasserlösliche werden schneller ausgeschieden. Psychologische Effekte wie Placebo und das Gegenstück Nocebo, die die Wirkung eines Medikaments verstärken oder abschwächen, müssen ebenfalls beachtet werden. 

Nicht zuletzt gehören Leber‑ und Nierenfunktion zu den zentralen Einflussfaktoren: Ist die Organfunktion eingeschränkt, verändern sich Abbau und Ausscheidung vieler Wirkstoffe.

Die Wissenschaft hinter der individuellen Medikamentenreaktion ist also komplex. Die personalisierte Medizin setzt hier an. Ziel ist es, durch genetische Tests, Blutwerte und Lebensstilanalysen optimale Dosierungen zu bestimmen, statt auf Einheitsdosen zu setzen.

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