Valentinstag oder die Mär vom Super-Sex
Der Valentinstag verspricht rote Rosen, Orgasmen und ganz große Gefühle. Das macht viele nervös.
Der Valentinstag ist jener Tag im Jahr, an dem Pärchen kollektiv in eine mittelgradige Anspannung schlittern. Nicht, weil man einander nicht mehr lieben würde, sondern weil plötzlich alles gleichzeitig stattfinden soll: ein Feuerwerk der Romantik, plus Nähe, plus Bedeutung, plus Aufmerksamkeit. Super-Sex inklusive, am besten spontan und gnadenlos orgasmisch. Was dabei übersehen wird: Lust ist kein Ding, das sich an ein Datum hält und anspringt, nur weil jemand Blumen reicht.
Historisch betrachtet ist der Valentinstag ohnehin ein wenig verdächtig. Der Legende nach geht er auf den heiligen Valentin von Terni zurück, den Märtyrer. Das erklärt einiges. Märtyrer sind bekanntlich Menschen, die Dinge tun, weil sie müssen, nicht, weil sie gerade Lust darauf haben. Dieses Prinzip scheint sich bis heute gehalten zu haben. Denn was passiert am Valentinstag tatsächlich? Die meisten wachen da auf und denken nicht: Boah, bin ich heute ultimativ geil. Stattdessen wird sinniert: Sollten wir heute nicht…? Oder: Erwartet der andere jetzt etwas? Schon wird Sex zum Beziehungsbeweis – und der ist der natürliche Feind der Lust.
Unterstützt wird dieses Missverständnis von einer jahrzehntelangen kulturellen Überfrachtung. Filme erzählen uns, dass der Valentinstag voller Glamour sein muss. Der Himmel voller Geigen, das Bettlaken seidig. Songs liefern den Soundtrack für große Gefühle. Dates werden zu Schlüsselszenen, der Abend zur Prüfung, das „Danach“ zur unausgesprochenen Erwartung.
Rosen: hübsch, aber kein Gleitmittel. Kerzen: nett, solange sie nicht tropfen. Dessous: theoretisch aufregend, praktisch oft überschätzt. Allseits Symbole, doch Begehren orientiert sich eher an der harten Realität: also an Biorhythmen oder den aktuellen Kalamitäten mit dem Chef.
Hollywood hat aus einem Datum ein Drehbuch gemacht, doch Körper mögen keine Drehbücher. Klassische Valentinstagssymbole helfen da nur bedingt. Rosen: hübsch, aber kein Gleitmittel. Kerzen: nett, solange sie nicht tropfen. Dessous: theoretisch aufregend, praktisch oft überschätzt. Allseits Symbole, doch Begehren orientiert sich eher an der harten Realität: also an Biorhythmen oder den aktuellen Kalamitäten mit dem Chef. Und da ist sie dann, die Stimme im Kopf: Wie geht es dir gerade wirklich? Bist du müde? Abwesend? Verbunden? Genervt? Der Valentinstag sagt: Ignorier das, heute ist Liebe. Der Körper raunt: Moment, ich hätte da noch Rückfragen.
Besonders gnadenlos ist dieser Tag übrigens für Singles. Am 14. Februar gelten sie plötzlich als erklärungsbedürftig, als hätten sie was verpasst oder wären falsch. Dann sitzen viele auf der Couch, mit Chips und Decke, statt roter Rosen gibt’s Guns N' Roses aus Kopfhörern. Drin „November Rain“, draußen Liebesfrühling. Als gäbe es nur zwei Zustände: romantisch verplant oder emotional defizitär. Wer allein ist, scheint automatisch durchzufallen. Dabei ist Alleinsein an so einem Tag oft genau das, was man bräuchte. Ohne Inszenierung. Ohne ein Date, um etwas zu beweisen. Und ohne implizites „Danach“. Ironischerweise haben viele Paare an völlig unspektakulären Abenden besseren Sex. An einem Dienstag, nach der Lieblingsserie, ohne Blumen, ohne Playlist, ohne Bedeutungsschwere. Einfach, weil niemand liefern muss. Nein: Guter Sex braucht keine Rosen, sondern Gelassenheit und die Freiheit, nichts und niemandem etwas beweisen zu müssen.
Geschäft mit der Liebe.
Der Valentinstag ist so etwas wie ein „Feiertag“: Zwei Drittel der Österreicher und Österreicherinnen verschenken etwas, im Schnitt um die 85 Euro. Besonders beliebt sind rote Rosen, dazu Süßes und Einladungen zum Essen. Am spendabelsten zeigen sich Salzburg und Oberösterreich, Wien liegt knapp dahinter. Unterm Strich heißt das: viel Symbolik, viele Blumen – und die Hoffnung, dass sich Liebe auch ein bisschen rechnet.
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