Beetgeflüster: Warum Gartenarbeit und Sex erstaunlich gut zusammenpassen

Erst jäten und säen, dann Sex? Um das Thema Gartenarbeit und Begierde ranken sich erstaunlich viele Fantasien. Eine Erkundung zwischen Lavendel, Laube und Lust.
Eine stilisierte Darstellung eines Mannes, der eine Frau auf die Stirn küsst.

Gartenarbeit und Sex: Das ist ungefähr wie Sachertorte und Abnehmspritze. Eine Kombination, bei der man zuerst stutzt und dann doch wissen will, wie sich das ausgehen soll. Und natürlich: das Internet. Dort gibt es nichts, was nicht längst zusammengeführt wurde – von Polyamorie und Breathwork bis Kräuterspirale und Oralverkehr.

Wer sich online durch das Dickicht aus Ratgebertexten, Erotikfantasien und seltsamen Studien wühlt, merkt rasch: Das Thema ist größer, als ein kultivierter Mensch denken würde. 

Da gibt es einschlägige Literatur mit dem schönen Titel „Geile Gartenarbeit“. Darin glaubt Ritchy, auf der Dachterrasse könne ihn niemand sehen, während er Rita auf dem Gartentisch nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Große Literatur.

Bevor wir aber ins Beet der Begierde steigen, kurz zur Rechtslage. Sex im eigenen Garten ist grundsätzlich erlaubt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Nur dann, wenn es niemand sieht oder hört. Denn was man selbst als impulsive Feier der Körperlichkeit verbucht, kann für andere rasch als öffentliche Belästigung daherkommen. 

Der Weg vom Koitus zur Klage ist kürzer, als viele glauben. Ein falscher Einblickwinkel , ein lautes Stöhnen, ein pensionierter Nachbar mit Fernglas – und aus der Erotik wird ein Verwaltungsvorgang.

Besonders entzückend sind die Tipps, die man dazu findet: !. möglichst geräuscharm. Danke. Nichts heizt die Stimmung so an wie das Gefühl, man sollte kopulieren wie zwei Einbrecher. 2. das richtige Timing. Später Abend, Sternenhimmel, Romantik. Klar. Weil nichts erotischer ist als Mückenstiche an Stellen, die man tagsüber nicht einmal mit SPF 50 in die Sonne halten würde. 3. stabile Gartenmöbel. 

Als wären beim Sex im Freien das Hauptproblem nicht Ameisen, Nachbarskinder und die latente Gefahr eines Hexenschusses, sondern der Klappsessel. 

Da gibt es einschlägige Literatur mit dem schönen Titel „Geile Gartenarbeit“. Darin glaubt Ritchy, auf der Dachterrasse könne ihn niemand sehen, während er Rita auf dem Gartentisch nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Große Literatur.

Macht Gartenarbeit sexy? 

Nun, eine ältere Studie kam zum Schluss, dass regelmäßige Gartenarbeit die Libido von Männern steigern und das Risiko von Erektionsproblemen senken könnte. 

Warum? Bewegung, Kreislauf, Durchblutung. Wer jätet, gräbt und schleppt, bringt sein Herz in Schwung – und mit etwas Glück auch andere Regionen, für die der Urologe zuständig ist. 

Etwas verstörend wurde es für mich bei der Umfrage, wonach 41 Prozent der Deutschen Gartenarbeit dem Sex vorziehen. Fast die Hälfte eines Landes schaut also auf Spaten, Hochbeet und Rosenschere und denkt: Jawoll! Mehr brauche ich heute nicht. Beet statt Bett. Harke statt Hingabe. Paradeiser ausgeizen statt Beziehungspflege.

 Einerseits deprimierend. Andererseits verständlich. Denn Gartenarbeit verspricht etwas, das im erotischen Bereich keineswegs garantiert ist: ein sichtbares Ergebnis. Wenn man sich anstrengt, wächst tatsächlich etwas. Man hat danach Kräuter. Erdbeeren. Einen Oleander, der endlich nicht beleidigt aussieht. Das ist mehr, als man über manchen Dating-Sonntag sagen kann. Der Salbei ghostet nicht. Die Zucchini hat keine Bindungsangst. Und wenn was eingeht, weiß man wenigstens ungefähr, warum.

Kommentare