© Darya Bulavina

Vorbild
11/06/2020

Wie ein Linzer seine MS in den Griff bekommen hat

Georg Redlhammer lebt seit 18 Jahren mit Multipler Sklerose. Doch er beugt sich nicht.

von Uwe Mauch

Er kommt ohne Stöcke zu unserem Treffen. Und er erzählt, dass er bereits einen Kilometer ohne die Gehhilfen schafft. Dass er weiterhin leidenschaftlich Gitarre spielt, singt, schreibt, mit Freunden Karten spielt, gut im Geschäft geblieben ist. Und vor allem: „Dass ich meinen Status voll angenommen habe.“

Das ist insofern bemerkenswert, als Georg Redl-hammer seit dem Jahr 2002 mit der Diagnose MS lebt: MS steht für Multiple Sklerose.

„Damals ist für mich eine Welt zusammengebrochen“, erinnert sich der heute 54-jährige Oberösterreicher, der über sein Leben mit dem unerwünschten Gast in seinem Körper ein Buch geschrieben hat (siehe rechts).

Bei Gurus und Hexen

Sein erster Gedanke nach der Diagnose: „O, nein, Endstation Rollstuhl.“ Doch schon nach kurzer Zeit fasste der MS-Patient für sich den Entschluss: „Der Rollstuhl ist für mich keine Option. Ich werde nicht kampflos aufgeben.“

Georg Redlhammer begab sich auf die lange Suche nach Heilung, probierte vieles aus, wie er heute im Gespräch und im Buch mit einem Augenzwinkern anmerkt: „Von der Schulmedizin über indische Gurus bis hin zu geheimnisvollen Hexen, von Wunderheilern bis hin zu Wunderbonbon-Herstellern.“

Chemo in Moskau

All das brachte keinen zählbaren Erfolg, ganz im Gegenteil: Sein Bewegungsradius schränkte sich mit jedem Jahr weiter ein. Ohne Stöcke ging kaum noch etwas. Das Skifahren musste er nach einem tränenreichen Ausrutschen auf der Piste ganz sein lassen, und auf der Gitarre ließen der eine und auch der andere Finger immer öfters aus. Auch wenn er dies vor seinen Kindern und im Berufsleben zu kaschieren wusste: Die Rückschläge nagten stetig an seinem Selbstbewusstsein.

Eine Ärztin in Linz erzählte dem lange vergeblich Suchenden dann von einer Stammzellentransplantation, die weltweit nur in wenigen Krankenhäusern mit Chemotherapie durchgeführt wird.

Im September 2019 checkte Georg Redlhammer mit größtmöglicher Zuversicht in einer staatlichen Klinik in Moskau ein, um seinen Körper vier Tage lang einer extrem starken Giftzufuhr auszusetzen. Das therapeutische Bombardement habe ihn aber nicht aus der Bahn geworfen, erzählt er heute.

Mentale Rückendeckung erhielt er unter anderem von seinem Freund, dem US-Schauspieler Steven Segal. Der baute ihn via Video auf: „Kleiner, ich schicke dir ganz viel von meiner Energie.“

Schon vor seiner Behandlung in Moskau, die privat finanziert werden muss, hat er aufgehört, die MS-Tabletten zu nehmen, womit er dem österreichischen Gesundheitssystem 20.000 Euro pro Jahr sparen hilft. „Und es geht mir auch schon deutlich besser.“

Der MS-Patient ist heute zu 100 Prozent davon überzeugt, dass ihm seine Selbstheilungskräfte geholfen haben und weiterhin helfen: „Erst im Vorjahr habe ich für mich erkannt, dass die Multiple Sklerose ganz alleine meine Sache ist, und dass ich sie daher auch ganz alleine besiegen kann.“

Mag das für Fremde ein wenig nach Esoterik klingen, kann der Betroffene für sich selbst in Anspruch nehmen: „Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich geheilt bin.“

Weil er andere Menschen an seinem Umgang mit der Krankheit und seinen Therapieerfolgen teilhaben lassen möchte, hat er nach dem ersten Lockdown sein Buch geschrieben und im Selbstverlag in diesen Tagen öffentlich gemacht. Sein Credo: „Wenn ich damit nur einem einzigen Patienten den Rollstuhl ersparen kann, dann habe ich mein Ziel bereits erreicht.“

Rund um den Mondsee

Passend zum Buch hat der leidenschaftliche Kartenspieler mit dem Wiener Piatnik-Verlag ein eigenes Black-Jack-Kartenset entwickelt. Auf den Karten verewigt hat die Grafikerin Darya Chenskaya seine wichtigsten Wegbegleiter im Leben, eine Karte zeigt auch den Stehaufmann selbst.

Dieser arbeitet nach der Fertigstellung des Buchs mit einem eigenen Therapieprogramm an seinem Comeback.

Seine nächsten Ziele kann Georg Redlhammer konkret benennen: „Ich will wieder gehen können.“ So würde er gerne auf seinem geliebten Schafberg von der Bergstation hinauf zum Bergrestaurant wandern. „Und mit meinem Radl möchte ich rund um den Mondsee fahren.“

Der Autor: Georg Redlhammer, Jahrgang 1966, wurde in Linz geboren, studierte Wirtschaft, arbeitete als Redakteur für den ORF und Marketing-Experte für namhafte Firmen, heute als selbstständiger Marketing- und Kommunikationsberater mit Schwerpunkt Russland. Georg Redlhammer ist Vater von drei Kindern.

Buch und Kartenspiel: Ab Montag im Buchhandel: „MS – Meine Sache, Motherf*****“ (Eigenverlag, ISBN 978-3-200-07075-2). Das Buch kostet 25 Euro, das Kartenspiel dazu 18 Euro.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.