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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/03/2020

Eine unbeugsame Anwältin für die wehrlosen Kinder

Frauen-Power: Ursula Walch engagiert sich für natürliche Geburten – und gegen Genitalverstümmelungen.

von Uwe Mauch

Sie hatte viel über die Genitalverstümmelung gehört. Doch in jener Nacht auf der kleinen abgelegenen Krankenstation im Süden des Senegals, als sie von den flehenden Schreien einer jungen Frau geweckt wurde, da war für sie sofort klar: „Da muss ich was tun.“

Die Steirerin Ursula Walch aus Kindberg im Mürztal hat es sich nie leicht gemacht: Schon während ihres Dolmetsch-Studiums hat sie das erste ihrer vier Kinder zur Welt gebracht. Fasziniert von der Arbeit einer erfahrenen Hebamme in der Wiener Ignaz Semmelweis-Klinik hat sie für sich beschlossen, nach der ersten Ausbildung eine zweite anzuhängen. Als diplomierte Hebamme kann sie heute auf mehr als 4500 Geburten in Spanien und in Österreich zurückblicken.

Wehrlose Opfer

Es scheint fast so, als würden der resoluten Fachfrau die hiesige Ärzteschaft und die globale Pharmaindustrie als übermächtige Gegner in der Auseinandersetzung um die beste Geburtsform noch nicht genügen. Seit elf Jahren ist Ursula Walch im Auftrag der Volkshilfe in der Westsahara im Einsatz, um dort lokale Projekte gegen die Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu unterstützen. Seit der Nacht im Senegal vor sechs Jahren hat sie für sich ein weiteres Betätigungsfeld gefunden.

In ihrem neuen Buch „Blutiges Brautgeld“ (siehe unten) beschreibt die sprachaffine Steirerin die Leiden der jungen Senegalesin extrem lebensnah. Mit einfachsten Mitteln versucht man, die Qualen der Gebärenden zu lindern und zu sie verarzten. Ihre Schmerzen rühren von einer Verletzung, die man ihr als Kleinkind zugefügt hat.

„Das ist eine menschliche Katastrophe“, klagt Walch an. „Die Mädchen haben keine Chance, können sich gegen die Verstümmelung ihrer Genitalien nicht wehren, können nicht davonlaufen.“

Auch vor dem nächsten Internationalen Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung (am Donnerstag) wird weltweit darauf hingewiesen, dass in 28 größtenteils afrikanischen Ländern rund 200 Millionen Frauen leben, die in ihrer Kindheit beschnitten wurden. Jährlich kommen drei Millionen Mädchen hinzu, die meisten jünger als 15.

„In jener Nacht im Süden des Senegals habe ich absolut Grausames gesehen“, erzählt die Hebamme. „Ich selbst durfte drei gesunde Mädchen zur Welt bringen. Mit meinem Engagement in Afrika möchte ich dafür dieser Welt etwas zurückgeben.“

Ins Leben gerufen

Im Februar 2015 hat Ursula Walch in Dakar den lokalen Hilfsverein SAAMA ins Leben gerufen, um damit gegen die brutale Tradition in dem westafrikanischen Land vorgehen zu können: „Wir haben dann im März 2017 ein eigenes Behandlungs- und Beratungszentrum eingerichtet. Und wir touren mit dem Bus durch das Land, um den Frauen durch die Blume unsere Unterstützung anzubieten.“

Das alles erzählt die unbeugsame Hebamme dem KURIER, während sie einen dringenden Anruf aus dem Süden von Graz erwartet: „Die Wehen werden wohl in Kürze einsetzen. Dann muss ich auf der Stelle los.“

Schon ist Ursula Walch bei einem Thema, das sie auch bewegt: „Die miserable Bezahlung von uns freischaffenden Hebammen.“ Immerhin kann sie sagen: „Das Wunder der Geburt entschädigt für viel. Jede Geburt ist anders und ein Erlebnis.“

Gute Nachricht am Ende: Kurz vor Redaktionsschluss wurde südlich von Graz ein gesundes Mädchen geboren.

Stichwort Genitalverstümmelung

Der Welttag: Der Internationale Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung findet seit 2003 am 6. Februar statt, um auf eine brutale Tradition in Afrika und Asien hinzuweisen.

Die Autorin: Ursula Walch ist diplomierte Dolmetscherin und Hebamme. Sie hat unter anderem den Hilfsverein SAAMA gegründet. Infos dazu: www.no-fgm.org

Ihr Buch: Das Buch „Blutiges Brautgeld. Afrikas beraubte Frauen – eine Hebamme klagt an“ ist bei Braumüller erschienen (22 €). Es wird heute, Montag, ab 19 Uhr bei Thalia Wien Mitte präsentiert.

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